Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 429)
- Language
- German
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414 unfähig ihren Verpflichtungen gegen die Grundobrigkeit nachzukommen. Dabei glauben sie zu wissen, daß Austerlitz Muster ihrer Tücher verwende, um darnach anderwärts arbeiten zu lassen. Sie verlangen, vor allen fremden Tuchmachern mit Aufträgen berücksichtigt zu werden, unter drastischer Darstellung des Elends, das über sie und „gar über die armen Leute44 kommen müsse, die sich vom Wollspinnen ernähren, wenn sie übergangen würden. Man ersieht daraus immerhin, welchen Einfluß ein solcher geschäftstüchtiger Jude auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des ganzen Ortes besaß. David Austerlitz wurde aufgefordert sich zu verantworten und tat es in einer umständlichen Eingabe. Nicht er gedenke die Tuchmacher und den Tuchscherer zu „unterdrücken44, wohl aber hätten diese ihn „in großen Schaden und Ruin gesetzet44, denn aus bester Wolle, davon der Zentner 42 und 43 Gulden koste, die er ihnen gegeben, habe er schlechte Tuche erhalten, weil sie die von anderen Lieferanten ihnen zugeschanzte „Ratzische schlechte Wolle44, den Zentner zu 22—23 Gulden, unter die seine gemischt hätten. Auch bemängelt er ihre Arbeitsweise,17) die mit der Zulassung untüchtiger Meister zusammenhänge, und ihre Unpünktlichkeit im Abliefern der Waren. Er brachte auch ein Zeugnis des Wiener Schneidermeisters Johann Georg Fürlinger bei, der bestätigte, daß Austerlitz bei dem für das Choarische Regiment abgelieferten Pirnitzer Tuch, weil es nicht das richtige Maß hatte, schlecht ausgeschert und gepreßt war, „einen sehr großen Schaden gehabt hat44. Die Gegenantwort der Pirnitzer Tuchmacher — aus eigenhändigen Bemerkungen ersieht man, daß der Graf die Verhandlungen selber führte — klingt denn auch ziemlich unsicher, so daß kaum anzunehmen ist, daß Austerlitz hiebei den Kürzeren gezogen habe. Schon im folgenden Jahr trat er mit der Grundherrschaft selbst in geschäftliche Beziehungen. In Pirnitz hatte eine herrschaftliche „Lederei44 bestanden, die aber nicht reüssierte, einige Jahre leer und „ohne einiger Verzinsimg44 dastand, bis sich die Gutsverwaltung entschloß, der gesamten Pirnitzer Judensehaft „den freien Handel und Wandel mit Ankauf und Ausarbeitung des Fell- und Lederwerkes44 gegen einen jährlichen Zins von 50 Gulden zu überlassen, womit wenigstens die Gebäudeerhaltungskosten