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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 424

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 424)
Language
German
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IRI
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40» Die Berufsverhältnisse nach der Konsignation von 1781 zeigen zweifellos eine, wenn auch bescheidene Aufwärtsentwicklung. Sehen wir von den 5 Bettlern (wohl Spitalsarmen), dann von den Angestellten — Rabbiner, Gemeindediener, Schulklopfer, Schulmeister, Schulsinger, Krankenwächter und Nachtwächter — ab, so sind die übrigbleibenden 50 Familienvorstände durchaus Geschäftsleute oder Handwerker. Die Hausierer, jetzt „Binkljuden" genannt, überwiegen noch immer, aber doch nicht mehr in jenem Verhältnis, wie vor 40 Jahren, es sind ihrer zehn. Dann folgen 5 Krämer, darunter eine Frau, 4 Wollhändler, 4 Fellhändler, 3 Lederer nebst einem Ledergesellen, 2 Glaser, 2 Schneider, 2 Unterhändler. Je einmal vertreten ist ein Federn-, Alteisen-, Holler(?)-, Altkleider-, Mehl- und Weinhändler; dann gibt es noch einen Fleischhauer, einen Knopfmacher, einen Buchbinder, einen Brotbäcker, einen Garküchler, einen Branntweinbrenner, einen Bier-, einen Weinschänker und einen Tabakverleger, immerhin schon mehr als zwanzig verschiedene Berufe in dieser kleinen Gemeinde. Schließlich noch einen „Handelsmann41, den reichen Lazar Herzfelder, von dessen Geschäften wir noch sprechen werden. Er war 1774 mit 25 Jahren aus dem Reich nach Pirnitz gekommen, und hatte sich mit der vermögenden Witwe Rechnitzer verheiratet. Wir ersehen das aus der Höhe der Mitgift, die auch in der Konsignation bei jedem einzelnen Hausstand verzeichnet ist. In den allermeisten Fällen bewegen sie sich in dieser Zeit zwischen 70 und 500 Gulden, die man nachweisen mußte, um überhaupt die Heiratsbewilligung zu erhalten, wie wir noch hören werden. Nur die Krämerswitwe Margarete Bondi hatte 1500 Gulden in die Ehe mitgebracht, die Rechnitzerin 2000. Die Liste bringt aber überdies noch die wenn auch wahrscheinlich ziemlich illusorischen Vermögensbekenntnisse. Während mehr als die Hälfte der Pirnitzer Juden damals erklärten, überhaupt kein Vermögen zu besitzen, die Mehrzahl der restlichen ein solches zwischen 2Q und 150 Gulden angeben, bekennt sich ein Wollhändler zu 450, ein zweiter zu 800, die Krämerin zu 700, der Branntweinbrenner zu 1000, Herzfelder aber zu 2550 Gulden, einer stattlichen Summe in jener Zeit. Die Gemeinde hatte sich in den lezten vier bis fünf Jahrzehnten — es ist die Regierungszeit der Kaiserin Maria Theresia (1740—1780) — zu einigem Wohlstand emporgearbeitet, was umso beachtenswerter ist, als im Jahre 1760 den

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