Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 420)
- Language
- German
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405 gekommenen Collalto, das 1623 in den Besitz der großen Herrschaft Pirnitz gekommen war, gehörte zu diesen. Im Jahre 1654 waren in Pirnitz nicht m£hr als zwei Juden oder Judenfamilien ansässig, Salomon Lebl und Laßar, die von einem herrschaftlichen Beamten ein Häuschen erkauft hatten.3) Drei Jahre später, 1657, wurden in Pirnitz neue Häuser „gestiftet", aber nur, wie ausdrücklich gesagt wird, für Christen; eine Vermehrung der Juden schßint noch nicht in Betracht gezogen worden zu sein. Seit 1666 aber lassen sich Juden in Pirnitz in Christenhäusern nieder, die, wie wiederum hervorgehoben wird, in einem damals bestandenen Verzeichnis („Bekandtnussbrief") von 1656 noch nicht vorkamen, somit wohl identisch sind mit den 1657 und in den folgenden Jahren neu gestifteten Häusern. Es sind ihrer sechs, deren Namen genannt werden: 1. Salomon Veit, im Christenhaus des Paul Wagner, seit 1666; 2. Simon Heske aus Triesch, im Christenhaus des Paul Beckh, seit 1666; 3. Moises Heske aus Triesch, im Christenhaus des Thomas Glaßer, seit 1670; 4. Lazarus Hellen aus Österreich, im Christenhaus des Zagicz, seit 1673; 5. Veit Salomon aus Prag, im Christenhaus des Fiescher, seit 1674; 6. Abraham Lebl aus Österreich, im Christenhaus des Nikolas Wakunda, seit 1676. Unter den ersten drei Collaltos, die im Besitze von Pirnitz Avaren, läßt sich somit ein dreifacher Standpunkt gegenüber Judenansiedlern feststellen. Rambold der Große (1579—1630), der bekannte Feldherr im Dreißigjährigen Kriege und Begründer der mährischen Linie, kam wohl noch kaum in die Lage sich mit der Frage zu beschäftigen, ob man Judenniederlassungen bewilligen solle oder nicht. Bei seinem Tode war der ältere von seinen beiden Söhnen Klaudius Rambold (1627—1661) erst drei Jahre alt, so daß die Vormünder, der Hofkanzler Graf von Werdenberg und Gerhard Freiherr von Questenberg, die Erbgüter verwalteten. Die Verwaltung scheint so schlecht und betrügerisch gewesen zu sein, daß Kljaudius Rambold, majorenn geworden, einen Prozeß eröffnete, der um mehr als eine Million Gulden ging und ein Jahrhundert lang dauerte. Obwohl er streng katholisch und