Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 419)
- Language
- German
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404 Es ist eine schon mehrfach ausgesprochene Behauptung, daß Juden nach Pirnitz zuerst gekommen wären, als sie im Jahre 1426 auf Befehl des Herzogs Albrecht V. von Österreich, der damals auch Markgraf von Mähren war (seit 1437 als deutscher Kaiser Albrecht IL), aus Iglau vertrieben wurden.2) Ohne die Möglichkeit einer solchen Abwanderung bestreiten zu wollen, muß doch ausdrücklich gesagt werden, daß irgendein urkundlicher Beweis oder eine glaubwürdige Nachricht dafür nicht vorliegt, so daß man es nur mit einer Vermutung zu tun hat. Sie wird umso unwahrscheinlicher, als man während des ganzen 15. und 16. Jahrhunderts von einer Judengemeinde in Pirnitz oder auch nur von einzelnen dort ansässigen Juden bisher keinerlei Kunde hat, ebensowenig aus den benachbarten kleinen Orten, in denen im 18. Jahrhundert Juden vorkommen. Die hussitische und die protestantische Epoche in Mähren, beide religiös unduldsam, scheinen dem Judentum nicht günstig gewesen zu sein. In den meisten königlichen, d. h. landesfürstlichen Städten war den Juden Ansiedlung und dauernder Aufenthalt untersagt, und in den wenigen Orten unter adliger Herrschaft, in denen sie leben durften, war ihre Zahl klein und ihre Betätigung äußerst beschränkt. Wir sehen aber auch da, trotz mancher Beiträge, noch nicht klar. Der Aufsatz: „Die Juden in Mähren vom Ausbruch der Hussitenkriege bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges4' ist noch nicht geschrieben und das Material dafür noch nicht gesammelt. Erst nach dem Dreißigjährigen Kriege, im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts, als das wirtschaftliche Leben in Mähren sich wiederum zu regen begann, erscheinen wieder Judenschaften in Orten, in denen man sie vorher nicht nachweisen kann, und nimmt ihre Zahl und Bedeutung zu. Dieses Zusammentreffen von Neubelebung der Wirtschaft im ganzen Lande und verstärktem Auftreten der Juden dürfte kaum zufällig sein und verdient Beachtung in politischer und sozialer Hinsicht. Es wäre wichtig zu erforschen, wann nach Ablauf des Dreißigjährigen Krieges und in welchen Orten Mährens Juden auftauchen, welche der vielen neuen adligen Geschlechter, die aus aller Herren Ländern kamen und Grundherrschaften erhielten oder ankauften, den Juden die Ansässigmachung ermöglichten. Das Geschlecht der aus Italien