Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 418)
- Language
- German
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403 Die Judenschaft einer mährischen Kleinstadt. Markt Pirnitz im XVIII. Jahrhundert. Von Prof. Dr. Bertold Bretholz. Wie Ortsgeschichten eines Landes vortreffliche Wegbereiter für eine allgemeine Landesgeschichte sein können, so sollten die Geschichten der einzelnen Judengemeinden Mährens gearbeitet werden im Hinblick auf eine allgemeine Geschichte der Juden in diesem Lande, an der es trotz mancher Versuche dermalen wohl noch fehlt. Bei der folgenden Darstellung mag es daher nicht so sehr auf den Ort, dessen Namen gleichsam nur in Klammern steht, ankommen, sondern mehr auf das Typische, das die Geschichte der Juden jener Zeit in allen Städten, Märkten und Dörfern des Landes uns zeigt. Es gibt damals in Mähren größere, kleinere und kleinste Gemeinden, es gibt reichere und ärmere Judenschaften, aber im Grunde genommen ist ihr Leben, ihr Arbeiten, ihr Schicksal überall ähnlich, mehr quantitativ als qualitativ differenziert. Und je besser wir das sich Gleichbleibende, das sich Wiederholende, das Gemeinsame kennen, umso deutlicher treten dann die Besonderheiten hervor, die selbstverständlich bei jedem Gemeinwesen sich zeigen. Es handelt sich somit darum, einmal in die Einzelheiten dieses grau in grau sich abtönenden Bildes einzudringen, im kleinen zu zeigen, wie der Jude damals hier gelebt hat und bestehen konnte. Das ermöglicht die Geschichte der Juden in Pirnitz deshalb, weil sich von dieser Gemeinde für ein paar Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts verhältnismäßig viel Aktenmaterial erhalten hat, das die Zustände und Entwicklungen der Judenschaft an diesem Ort bis in alle Details erkennen läßt, ja auch noch auf die Verhältnisse in dieser und jener mährischen Ortschaft mit jüdischer Bevölkerung Streiflichter wirft.1)