Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 407)
- Language
- German
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392 wache, der Offizier der Hauptwache schickte nach ihnen, sie aber flüchteten. Jedoch der Stadthauptmann der Prager Altstadt ließ den Vorsteher R. Israel Frenkel und den Vorsteher R. Isak Austerlitz gefangen nehmen, damit sie mehr als die Zahl von 500 Juden zum Feuerlöschen stellen; sie saßen im Gefängnis bis 11 Uhr in der Nacht des heiligen Sabbat Am Rüsttage dieses heiligen Sabbats, eine Stunde vor Eingang des Sabbat, kam der Befehl von den Herren der Repräsentation titl, die Dächer von Holz und Schindeln in der ganzen Stadt von den Häusern zu entfernen unter Strafe von Exekution bei Feuer und Schwert, damit, wenn Gott behüte, Bomben oder Haubitzen oder Pechkränze kämen, das Feuer nicht das Haus verzehre. Um dieselbe Stunde kamen zwei „gelidne44 Stückkugeln, eine in das Haus des R. Secharja Kassowitz und die andere in das Haus des R. Ber Tuschka gegenüber dem großen Hof, dank der Vorsicht wurden sie bald gelöscht, so kam der Tag der Heiligkeit und Ruhe zu uns mit Kummer und Seufzern. Von diesem Sabbat an konnten die Schützen trotzdem sie ununterbrochen mit aller Art verderbenbringenden Geschossen schössen, mit Bomben, Haubitzen, Pechkränzen, Feuerkörbeln, keinen Brand in der Stadt stiften, überall, wo das Gesehoss niederfiel, wurde das Haus in mehreren Stockwerken zerstört, aber ohne Brand. Inzwischen begannen die Vorsteher unserer Gemeinde bei den Gemeindemitgliedern das oben erwähnte Darlehen zu Kriegszwecken einzuheben. Im ganzen hoben sie außer den erwähnten 2000 Dukaten noch 18.000 fl. ein, auch die Geistlichen und die nichtjüdischen Kaufleute, und die Bewohner der Stadt mußten viel Geld borgen, eine große Summe, aber das Alles reichte nicht für den Bedarf, denn gar groß war dieses Volk und seine Bedürfnisse groß und eine Hand voll sättigt nicht den Löwen u. s. w» Darum mußten sie eine Münze aus Blei prägen, die bei dem Kaufmanne gangbar sein sollte, es wurde auf ihren Rathäusern und in den Gassen der Juden ausgerufen, wer dem Befehle über das Bleigeld zuwiderhandle und es nicht annehme, dessen Blut komme über sein Haupt. Jeder Einzelne — Nichtjude oder Jude — mußte sechs oder vier oder zumindest zwei Pfund Blei zu Zwecken dieser Münze bringen; denn so war es von den Herren der Repräsentation befohlen worden. Den Soldaten jedoch gab man keine Bleimünze und die Stadtleute mußten sie auch nicht von ihnen nehmen, denn ihren Sold gab man ihnen in Silbermünzen. Die Bleimünzen