Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 405)
- Language
- German
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390 der Befehl wurde durch den großen Fürsten, den obersten Feldherrn, Herrn Prinzen Karl, seine Herrlichkeit werde erhöht, am selben Tage gegen Abend aufgehoben. Am nächsten Tage wurde in ihrem Bathause und in der Judenstadt ausgerufen, daß durch die Gnade des großen Fürsten der Befehl zurückgenommen worden sei, doch bleibe er in Bezug auf Weizenmehl, Weizen, Reiß, Butter und das Gelddarlehen bestehen und wer von diesen Dingen habe, müsse sie den Herren Kriegskomissären gegen schriftliche Bestätigung, daß es gezahlt werde, ausliefern. Groß ist die Gnade Gottes gegen uns, der das Gute an uns beurteilt, gepriesen sei Gott, daß er uns nicht gegeben hatte als Fraß ihren Zähnen; die Schützen schössen ununterbrochen, Tag und Nacht erlosch ihr Feuer nicht. In der Nacht des Donnerstag zum 15. Siwan (3. Juni), da schössen sie gewaltig in der ganzen Stadt mit Feuerkugeln, die sie „Bomben, Haubitzen44 nennen, Feuerkörben, Pechkränze ohne Zahl, man hatte zu zählen aufgehört —, es entstanden große Brände in mehreren Häusern, zugleich auf der Altstadt und Neustadt und dem königlichen Hofe überall wo Boraben oder Haubitzen niederfielen ohne Brand zu stiften, zerstörten sie das Haus von oben bis unten zum Boden, 3—4 Stockwerke, es wurden viele Nichtjuden verletzt. Am Morgen fiel eine Bombe in das Haus des E. Herz N. Sch. durch das Fenster, zerbrach den Stein am Fenster, das sogenannte Fensterfutter, und kam in das Zimmer, wo viele Menschen schliefen, Männer, Frauen und Kinder, durchschlug den Boden mit der Decke darunter (der Balken war ungefähr 8/4 Ellen dick) und fiel hinunter in das Erdgeschoß, wo Matisja Schuster wohnte; hier zersplitterte die Feuerkugel in viele Stücke, wie wenn ein Hammer auf einen Felsen schlägt, die Stücke zerstörten alles Hausgerät, das in dem Zimmer war und die Türen. Die Holzgeräte begannen zu brennen, dank der Vorsorge unserer Gemeindemitglieder wurde das Feuer bald gelöscht, 3 Zimmer waren eines nach dem anderen durchschlagen worden und alles, was darinnen war, zerstört. Ein Stück ist wieder hinausgesprungen in das Zimmer des erwähnten R. Herz und hat wiederum die Decke, auf der der Estrich liegt, durchgeschlagen. In den Zimmern von Matisjahu Schuster und seinem Nachbarn schliefen viele Juden, Frauen und Kinder; es ist bekannt, daß die Orte, wo die Betten mit den Schlafenden standen, nicht berührt wurden und kein Jude verletzt wurde. Ein Jude, der dort außerhalb