Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 404)
- Language
- German
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389 glaubten nicht mehr an unser Leben, aus Herzensangst vor dem Getöse und Gepolter, Bruch über Bruch, Schaden über Schaden, Gott bewahre uns davor. Vom Montag, den 11. Siwan (31. Mai), an war kein Moment ohne Plage, denn die Schützen begannen alle drei hiesigen Städte mit Feuerkugeln, die sie Bomben und Haubitzen nennen, im Gewicht von einem Zentner und darüber bis 160 und 200 Pfund zu beschießen und mit Brandgeräten, die sie Feuerkessel nennen, gefüllt mit Pech, Schwefel und Pulver, und mit den großen Geschützen, die sie Kanonen nennen und mit den Kugeln, die im Feuer geglüht waren; es entstanden große Brände auf der Neustadt, bis die Straßen, Heinrichsgasse........Brauergasse, Boßmarkt und andere Straßen, ganz verbrannt waren. Uberall hin, wo ein großer Brand entstanden war, mühten sich die Schützen besonders, noch mehr Brandgeräte zu feuern, so daß man den Brand nicht löschen konnte. An den Orten, wo der Brand nicht so sehr wütete, mußten die Juden mit aller Kraft löschen, denn es war den Juden der Befehl gegeben worden, täglich 500 Mann für die verschiedenen Kriegszwecke zu stellen; in der Judengasse standen alle Hausväter und Männer auf der Wache, damit, wenn Gott behüte, irgend ein Brandgeschoß in die Häuser der Juden komme, sie bereit seien, das Feuer zu löschen. Unser Leben war stets in Gefahr .... wir fürchteten uns Tag und Nacht, am Morgen sagten wir, o wäre doch abends, und abends, o wäre doch morgens. Man konnte nirgends in der Stadt sicher vor Geschossen gehen, denn die Schützen schössen jeden Augenblick. Dessen ungeachtet ging der Vorsteher R. Israel Frenkel, er lebe, mit dem Vorsteher R. Isak Austerlitz, wegen erwähnten Befehls, daß alle Lebensmittel abgeliefert werden sollten, sich verwenden, denn es ist für die Gemeinde immöglich, dabei zu bestehen, und es konnte leicht auf allerlei Art zu Lebensgefahr kommen. Am Dienstag, den 12. Siwan (1. Juni), dem letzten Tag der angegebenen Frist, verordnete der Rabbiner, der Gaon, der Vater des Gerichts und Schuloberhaupt unserer Gemeinde, sein Licht leuchte, gemeinsam mit den Gelehrten und Mitgliedern des hohen Rabbinatskollegiums, ihr Licht leuchte, einen Gemeindefasttag, an dem man viel der Selichoth und Gebete beten sollte und Owinu Malkenu und Sündenbekenntnisse und Psalmen den ganzen Tag nach Abteilungen geordnet; wir ergriffen das Handwerk unserer Väter, Gott erhörte in Barmherzigkeit unsere Stimme,