Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 400)
- Language
- German
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385 Stadt Prag. Die Tore wurden hinter ihnen geschlossen, niemand durfte ein und aus. Vom 11. Ijar ab (1. Mai) mußten die Juden Tag für Tag 300 Mann stellen zum Baue von Schanzen und Gräben, vom 19. Ijar ab (9. Mai) mußten sie 500 Mann täglich zu den verschiedensten Kriegsarbeiten stellen, sogar am heiligen Sabbat mußten sie diese Anzahl stellen, um den Proviant von einem Orte zum anderen zu bringen und zu retten, doch mußten sie keine wirkliche Arbeit verrichten. Am Dienstag, den 20. Ijar (10. Mai) schickte der große Fürst, der oberste Feldherr Herzog Karl, seine Ehre werde erhöht, zu dem Vorsteher R. Israel Frenkel und dem Vorsteher R. Isak s. g. 1. Austerlitz, sie möchten zu ihm kommen. Als sie zu ihm kamen, verlangte er durch den Generaladjutanten Grafen Starhemberg Exzellenz, da man nicht wisse, ob die Bagage und die Kriegskassa gerettet worden sei, oder nicht, das Geld in ihrer Kriegskassa zu Ende sei, auch in den Stadtkassen der Kaiserin kein Geld sei und sie den Soldaten täglich den bestimmten Sold zahlen mußten, die Juden sollten ihnen eine gewaltige Summe borgen (eine Summe, die buchstäblich das gesamte Vermögen der Mitglieder unserer Gemeinde weit überstieg), daran wollten sie erkennen, ob die Juden es ehrlich mit der Kaiserin, ihre Ehre werde erhöht, halten; sie sollten ihm Antwort bringen. Da war eine Zeit großer Not in Israel, als wir sahen, was Gott getan. Am nächsten Tage ging der erwähnte Vorsteher R. Israel zu dem genannten Fürsten, stellte sich in die Bresche und bat unter Tränen und Flehen, machte ihm Vorstellungen über den schlechten Stand und die üble Lage unserer Gemeindemitglieder und Gott gab ihm Gunst in den Augen des erwähnten Fürsten und Befehlshaber, daß er die Forderung endlich auf 2000 Dukaten herunterbrachte, das ist noch nicht einmal der 60. Teil der ursprünglichen, noch dazu wurden die 2000 Dukaten durch besondere Gnade gegen eine Schrift auf- und angenommen, daß die Kaiserin, ihre Ehre werde erhöht, nach der Öffnung der Stadt sie bezahlen werde, dagegen versprach er den Mitgliedern unserer Gemeinde in großer Gnade allen Schutz. Das war ein ganz besonderes Wunder, der erwähnte Vorsteher R. Israel, er lebe, bat ihn, sich bei den obersten Feldherrn dafür zu verwenden, daß unseren Gemeindemitgliedern ein Schutzpaß gegeben werde, weil der Vorsteher R. Isak s. g. 1. Austerlitz zum Fürsten, dem Prinzen Karl, seine Herrlichkeit werde erhöht, gereist war, und „Isak 25