Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 395)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0852-2645194- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
380 Schmerz, aber wir freuten uns doch einer mit dem andern und dankten Gott, daß er uns am Leben erhalten hatte. Die Zahl der Erschlagenen betrug etwa 12 heilige Seelen aus Israel, darunter auch Frauen und Kinder, Verletzte und durch das Schwert Verwundete sollen fast 400 gewesen sein; viele von diesen starben um unserer Sünden willen, binnen einiger Tage, die meisten wurden mit Gottes Hilfe gerettet. Das Volk bestattete die Ermordeten und beweinte sie sehr; Gott räche ihr Blut, ihr Verdienst möge Israel überall in seiner Zerstreuung beistehen, bis Er richten wird im Tale Josaphat ihre Richter und unterjochen wird ihre Unterjocher und sie zurückbringen wird, wie Tauben in ihren Schlag aus fremdem Land in ihre Heimat, den König in seiner Schönheit mögen ihre Augen sehen; Amen, so sei es sein Wille. Hernach, als wir hofften, auszuruhen und für unsere Seelen Erholung zu finden, verbanden sich gegen uns treulose von den Kaufleuten und Ränkeschmieden der Stadt und brachten gegen uns Gerüchte und Verleumdungen auf, wir hätten uns beteiligt am Abfall von der Kaiserin, ihre Herrlichkeit werde erhöht, und sie schickten erlogene Briefe mit giftigen Verleumdungen an den Hof der Kaiserin nach Wien und brachten uns in ihren Augen in schlechten Geruch, bis ihr Zorn aufstieg, der Grimm des Königs u. s. w. im entbranntem Zorne, aufbrausendem Grimme und sie im Verlaufe von wenigen Tagen den Auftrag gab und einen Brief schrieb mit dem Befehle nach Prag, den ganzen Uberrest aus dem Lande zu verjagen und zu verbannen. Auch über die Provinzen wurde es darin verfügt, alle (jüdischen) Bewohner von Böhmen und Mähren sollten von ihrem Boden vertrieben werden und nicht mehr in den Städten wohnen dürfen. Anstatt der erhofften Heilung war Schrecken; da befiel uns große schwere Finsternis, daß wir alle Häuser und Felder und alles Vermögen verlassen sollten, um in die Verbannung und Gefangenschaft zu gehen, die alles Unglück in sich birgt. Der erste Befehl lautete, daß innerhalb eines Monates niemand zurückbleiben durfte, alle Gläubiger drängten die Juden, ihnen alle Schulden und Darlehen zu zahlen, alles was übrig blieb, wurde zu nichte, denn was uns noch blieb verkauften wir um Vs bis 1/6 des Wertes, es war eine Zeit arger Not für Jakob. Die Fürsten und Großen der Stadt hatten Erbarmen mit uns, denn sie wußten, daß wir unschuldig waren, sie suchten die Kaiserin auf und schickten ihr viele Fürbitten; auch unsere