Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 391)
- Language
- German
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376 des Sturmes und auch der Nacht die Frevler nicht Hand an sie gelegt, weil sie sich den erwähnten Preußen zum Wächter gemietet hatten. Aber dieser wollte dies nicht länger tun als bis zum Freitag um 8 Uhr, auch verließ er in der Zeit, in der er wachen sollte, die Leute und ging etwas erjagen von der Beute und dem Raube in den anderen Häusern, so blieben sie zurück in Wehen wie eine Gebärende in Erwartung der finsteren Todesschatten und des Todes. Als der Tag anbrach, hatte er für die Kinder Israel nur Not und Finsternis im Gefolge, viele waren durch das Schwert erschlagen und durchbohrt, viele lagen schwer verwundet unter heftigen bitteren Schmerzen im Staube, viele von ihnen bis aufs letzte ausgeraubt, viele lagen nackt da, dem Wetter, der furchtbaren Kälte ausgesetzt, viele waren so krank, daß kaum ein Lebenszeichen in ihnen zurückgeblieben war, sie tappten wie die Blinden, strauchelten am hellen Tage und fielen gebrochen hin. Auch die Stärksten erschlafften vor der Bedrängnis der Bösewichte, dem Lärm der Stoßenden, die Feuer schleuderten, nach allen Ecken, alle Verborgenen aufspürten, die Verborgenen verfolgten, auf die Dächer hinaufstiegen sie zu fangen, sie umschwärmten wie die Bienen und beabsichtigten Jakob ein völliges Ende zu bereiten, ihr Blut zu vergießen wie das Blut der Stiere. Ihre Reden lassen sich nicht beschreiben. Sie kamen mit erdachten, erlogenen Anklagen, rissen auf wie den Abgrund ihre Gier, zu plündern und zu rauben an Orten, wo nicht das Mindeste mehr vorhanden war, zuerst kamen Leute und leerten alles wie ein Netz, in dem keine Fische mehr sind, dann kamen andere und wollten soviel wie die Ersten, und wer ihnen nicht willfahrte, wurde mit dem Tode bedroht. Unsere Schuld hat dies veranlaßt, unsere Sünden, Gott ist gerecht, denn seinem Befehle haben wir zuwidergehandelt, doch seine Gnade ist nicht zu Ende, seine Barmherzigkeit nicht erschöpft. Gegen einen Mann, gottesfürchtig von seiner Jugend an, fromm und vollkommen in seinem Tun, einen Gelehrten, namens R. Bezalel Lichtzieher, frevelten die Unbeschnittenen, bis sie alles, was er hatte, durch das Fenster auf die Gasse geworfen hatten, und nachdem seine Kraft erschöpft und sein Geld zu Ende war, schössen sie ihn zu Tode. Gott räche sein Blut, das Blut seiner Familie, das ganze Haus Israel beweine den Brand, ich bin der Mann der erwecken will, den Geist der Wehklage, in der Not meiner Seele will ich sprechen.77)