Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 387)
- Language
- German
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372 verbargen sich in den Kellern der Häuser der Juden, auch in dem Hause meines Schwiegervaters, sie wurden von einander getrennt, wußten gegenseitig nichts von ihrem Befinden, ja nicht einmal ob sie am Leben waren, bis der Sturm vorbei war. Ich gehörte mit meiner züchtigen Frau Malka, sie lebe, zu denen, die aus dem Hause geflüchtet waren, es hatte sich uns auch die jüngere Schwester meiner Frau, die Jungfrau Dina, sie lebe, angeschlossen, auch zwei Männer, die in unserem Lager gestanden hatten, und zwei kleine Kinder. Als wir eilends aus dem Hause, dem Orte größter Gefahr geflüchtet waren, kamen wir in den Eingang der Gasse in der Nähe des Hauses, die Breitgasse heißt, dort sahen wir die Riesen, die Lasten vom Raub auf ihren Schultern trugen, sie verdeckten die Erde, Soldaten mit gezücktem Seh werte, auch Winzer und Ackerleute, große Mengen Volkes von den Stadtbewohnern füllten alle Gassen, alle gierig nach Gewinn, sie nahmen alle Kostbarkeiten Israels, Wir blieben eine Weile stehen, um zu überlegen, wohin wir fliehen, wohin wir uns wenden sollen, Gott erwies uns die wunderbare Gnade, daß er sie uns nichts Böses tun ließ, und sie uns nicht verfolgten. Nachdem wir überlegt hatten, beschlossen ich und mein Weib, es lebe, auf den Friedhof zu fliehen, wir taten es gemeinsam, mit den obenerwähnten Begleitern. Wir eilten auf Umwegen durch den „Sehuppen" genannten Durchgang und den Ort der Fleischbänke und den Hampaß. Als die Juden alle die großen Frevel sahen, die die Ruchlosen in den Synagogen ausgeübt, ward ihnen der Tod erwünschter als das Leben und es weinten die Kinder Israel nach ihren Familien bitterlich und klagten und jammerten und zerrissen ihre Kleider, Schoren die Haare, gaben Asche auf ihr Haupt, schrien zu Gott und sprachen, „warum sollen sprechen" u. s. w. Er aber hörte sie nicht, denn zu groß war ihre Schuld vor Gott. Unser Auge troff Tränen und niemand half, wäre nicht Gottes Barmherzigkeit, „wir wären fast wie" u. s. w. Mein Auge, mein Auge strömt von Wasser über die Zerstörung der Pinkasschul, denn dort trafen Schakale und Wildkatzen zusammen, Füchse wandelten darin umher, sie machten das Haus zur Stätte von Dornen und Disteln und nahmen alle Lust des Auges, sie warfen hinab unsere prächtige Krone, unsere heilige Thora ward die Beute ihrer Hand, sie warfen sie an alle Gassenenden, sie ließen ihren Zorn aus