Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 386)
- Language
- German
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371 mand wußte, wo sein Bruder war, wir alle irrten umher, wie Schafe zwischen Wölfen, Alle Gassen der Juden waren voll Lärm, die Stadt wogte von Räubern, Mördern und Plünderern, sie quälten jeden Juden auf harte bittere Weise, viele von ihnen kamen um zu morden, unser Andenken zu tilgen unter dem Himmel, wer aus dem Fenster schaute, oder gar aus dem Hause ging, war selbst an seinem Tode schuld; die Kinder Israels versteckten sich in ihren tränenvollen Behausungen. Als sich mein Herr und Schwiegervater, der Rabbiner muhrr Samuel, Gott behüte ihn, mit seiner Frau Cheile geflüchtet hatte, da erblickte ihn eine giftige Schlange auf dem Wege, es schlössen sich noch viele an, sie brachten ihn ins Haus und schlugen und verwundeten ihn schwer. Als seine Frau ihm helfen wollte, stellten sie sich auch gegen sie und riefen, sie wollten sie beide — Mann und Frau — Gott behüte, mit dem Schwerte durchbohren und da sie ihnen viel Geld gaben, um ihr Leben zu retten, schlugen sie sie noch stärker, mit fast tödlichen Schlägen, daß mein Herr und Schwiegervater, sein Licht leuchte, der Rabbiner, es kaum ertrug, um unserer Sünden Willen, denn sie verwundeten ihn mehrfach in unmittelbarer Nähe des Hirnes, daß sein Blut zur Erde störmte, und kaum Leben in ihm blieb; bei alledem zog der Feind seine Hand nicht zurück von Vernichtimg, bis einer durch Gottes Gnade die Eingebung hatte, sie um Bestechung zu retten, er führte ihn und seine Frau hinaus, zwischen durch die Zähne der Feinde, als ein Nichtjude ihn auf der Flucht sah, wie er sich in seinem Blute wälzte, da erbarmte er sich seiner und brachte ihn und seine Frau in sein Haus, man brachte ihm Wohlriechendes, um ihn zu sich zu bringen und ein Stück Stoff, um die Wunde zu verbinden und ließ einen Arzt zu ihm kommen, und er blieb an dem Orte, bis das Unheil vorbei war, wie ich mit Gottes Hilfe weiter erzählen werde. Auch der Bruder meiner Frau muhrr Benjamin Wolf, sein Licht leuchte, und seine Frau und seine kleine Tochter wurden auf der Flucht erreicht, er wurde grausam behandelt und mörderisch geschlagen, man zog ihm die Kleider vom Fuß bis Kopf ab und nahm ihm alles, was er bei sich hatte, atif ^jsein inständiges Flehen rettete er durch einen besonderen Umstand sein Leben und kam zu seinem Vater. Alle anderen Personen des Hauses meines Schwiegervaters, des Rabbiners, sein Licht leuchte, auch die anderen, die bei uns waren, retteten ihr Leben und