Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 385)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0842-2645184- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
370 Als wir so ungefähr eine Stunde in Angst und Schrecken verbracht hatten und den großen Lärm gehört hatten und das Wehklagen der Kinder Israel, die mit dem Rufe „Schema Israel44 den Namen Gottes heiligten (den Märtyrertod erduldeten), brach der Morgen heran und wir sahen aus dem Hause eine Rauchsäule aufsteigen, da wurde unser Herz sehr beunruhigt, denn wir fürchteten, die Feinde hätten Feuer angezündet und es brenne, ohne daß jemand löschen könnte. Der Rauch wurde immer stärker, was wir gefürchtet hatten, bestätigte sich; sie hatten wirklich aus Bosheit im Zimmer des 1. Stockes, des Hauses meines Schwiegervaters, des Rabbiners, sein Licht leuchte, Feuer gelegt und alles Brennbare verbrannt. Ich glaubte, unser Ende sei da, wir würden niemand mehr zu Gesicht bekommen, denn gingen wir hinab, fielen wir durch die Hand der Menschen, das Schwert unserer Feinde, blieben wir aber an unserem Platze, waren wir Staub und Asche, das Feuer verzehrte uns. Wir wollten schon unser Leben hingeben für die Heiligung seines großen einzigen Namens, doch der Herr der Barmherzigkeit, der die Menschen nicht gleich straft, neigte uns seine Gnade zu, uns am Leben zu erhalten, wie heutigen Tages. Gerade als wir uns entschlossen hatten, ins Haus hinabzugehen, daß wir uns vielleicht retten und den Feind mit dem, was wir in unseren Händen brachten, beschwichtigen, daß wir nicht sterben und im Feuer zu Grunde gehen, denn wir dachten, die Feuerflamme wird immer größer und wird Gott behüte alle Enden des Hauses ergreifen, denn niemand löscht und wer wird uns zur Hilfe kommen und auf die Gnade Gottes rechneten wir, auf die Hilfe Gottes hofften wir. Durch das Erbarmen Gottes für sein Volk, das es nicht, Gott behüte, gänzlich zu Grunde gehe, erlosch das Feuer in kurzer Zeit, wir wußten nichts davon, denn bevor es erlosch, stiegen wir hinunter in das Haus meines Herrn und Schwiegervaters des Rabbiners, Gott beschütze ihn, auch ich und mein Weib, es lebe, waren mit hinabgestiegen. Während wir hinabgingen, trafen wir keinen von den Feinden, denn sie waren in den inneren Zimmern und Höfen, um nach Beute zu suchen. Wir flohen auf 7 Wegen aus dem Hause ins Freie, jeder an den Ort, wohin zu gehen, ihn der Geist Gottes antrieb, auch die zarten Kinder flohen mit ihren Ammen in Bestürzung in die Straßen, wie Spreu, die der Hauch Gottes verweht, der Vater verließ seine Kinder, die Mutter ihren Säugling, nie-