Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 384)
- Language
- German
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369 Haus entgegen. Wehen ergriffen uns wie die Wehen der Gebärerin, denn unser Unglück war beschlossen. Ich wollte den Grimm der Feinde bei ihrer Ankunft beschwichtigen, damit sie uns nicht sofort vernichten und lief ihnen sogleich entgegen, um mit einer Handvoll die Löwen, Bären und Schakale zu sättigen. Gott beschützte mich und durch sein Erbarmen für uns steckten sie das Schwert wieder in den Gurt. Als unsere Leute gar eindringlich um Gnade baten und wir sie mit Worten und Geld besänftigten, konnten wir sie in Frieden los werden. Gepriesen sei Gott, ob seiner großen Gnade, daß er uns aus den Zähnen dieser Löwen gerettet hatte. Als diese weggegangen waren, war unser Schmerz noch größer, auf Recht hatten wir gehofft, doch da war Unheil denn der Schaden hatte im Hause um sich gegriffen, denn wir hatten nichts Verschließbares mehr; darum flüchteten wir wieder in das Vorderhaus, denn wir dachten, wenn die Feinde kommen, wollen wir aufs Dach flüchten. Dort hörten wir das Lärmen der Plünderer, das Wehgeschrei der Kinder Israels, denn es war gar groß, die Stimmen der Jünglinge und Mädchen, der Männer und Frauen, der Greise und Greisinnen, da brach unser Herz, Bruch reihte sich an Bruch; wir zählten die Stunden und Minuten, denn wir hofften auf das Tageslicht, daß sich das Mitleid der Offiziere, die am Tore waren, für uns rege, damit nicht, Gott behüte, alle Juden vernichtet werden. Um die 3. Stunde kamen die Plünderer zum zweitenmale in das untere Stockwerk, der Wächter kam, berichtete uns und schrie laut und bitterlich, rettet Euch, stehet für Euer Leben ein, da flüchteten wir eilends aufs Dach. Ich und mein Weib verbargen uns auf dem Dache unter dem Rauchfang, jedoch der Hausherr, mein Schwiegervater und die Söhne meines Schwagers blieben auf ihrem Platze und gingen nicht hinaus, da kam „der Amalekite und Kanaanite", in ihrer Hand Schwerter, Eisen und lange Brechstangen, sie fanden diese Personen, überfielen sie, zogen sie nackt aus, schlugen sie und quälten sie. Meinem Schwiegervater, der Rabbiner, sein Licht leuchte, fügten sie eine schwere Wunde am Kopfe nahe dem Hirne bei, nur ein Schritt trennte ihn vom Tode; gab man ihnen etwas, so schlugen sie noch weiter. Gott bewahrte ihn vom Tode und errettete ihn, er entfloh aufs Dach, sein Blut ergoß sich zur Erde, man bedeckte ihn mit Kleidern und das Blut kam mit Gottes Hilfe zum Stillstand. 24