Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 379)
- Language
- German
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364 gehörte; er redete Böses und verleumdete uns bei den Feldherren des Königs von Preußen, indem er sagte, großen Besitz haben die Kinder Jakobs, Gold und Silber in ihren Säcken, sie sollen das Joch des Königs und der Vornehmen tragen, die Heerführer hörten auf diese Worte dieser Niederträchtigen und legten den Juden noch mehr Steuern auf, so daß Juda sprach, dahin ist die Kraft es zu ertragen. Um diese Zeit waren die Geschäfte der Juden geschlossen, niemand kaufte oder verkaufte, das Land war öde und wüste, die Hand Israels sank immer mehr, sie verzehrten uns mit ganzem Munde, Monat für Monat mußte Israel dem Bruder Esau eine Gabe bringen, in der Höhe, die ihnen bei der Veranlagung, unter Bann schriftlich auferlegt worden war. Das ungarische Volk, ein freches Volk, das den Alten nicht berücksichtigt, den Jungen nicht schont, Panduren, Kroaten, Husaren, grausame und böse Leute, die die Weinberge verwüsten, die Weinberge Israels, lagerten rings um die Stadt Prag und streiften auf den Straßen umher, es hörten die Wanderer auf, denn sie raubten und plünderten alles, was sie vorfanden und jeden, der aus der Stadt hinausging. Im Monate Marcheschwan (Oktober—November) hörten wir laute Wehklage, das Gerücht von den Drangsalen unserer Brüder, der Kinder Israel, die in der Provinz Böhmen wohnen, denn überfallen hatte sie der Räuber, das ungarische Volk, denen sich die Dorfleute anschlössen, sie behandelten Israel als Freiwild und die Kinder Israel seufzten unter der Last. Die Feinde, die mit uns in der Stadt waren, schickten Boten an das ungarische Kriegsvolk rings um die Stadt, hetzten sie auf, schürten den Haß, daß er aufflammte und auch Zorn aufkam gegen Israel. Das Heer der Kaiserin war überall erfolgreich, es war im ganzen Lande siegreich, da schreckten unsere Feinde uns, indem sie sagten, morgen werden die Männer kommen und Euer Fleisch mit eisernen Striegeln zerfetzen, Euere Seele in den Staub treten. Am Sonntag, den 15. des Monats Kislew (20. November) hörten wir plötzlich ein Schreckensgerücht, daß das preußische Heer die Stadt räumen und wegziehen werde, da befiel uns finstere Angst, denn wir wußten, daß sie wie eine Schlange auf dem Pfade uns auflauern, daß unsere Feinde jetzt über uns triumphieren werden und uns mit dem scharfen Dreschflegel zerstampfen. Das Gerücht wurde immer stärker und die Nachricht wurde täglich bestätigt, es erging der Befehl an die Soldaten, sich Beisezehrung vorzubereiten, ohne