Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 378)
- Language
- German
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363 einen Juden vor dem Altschultor, das ganze Volk beklagte ihn; zwei Juden gingen ahnungslos durch die Stadt zwischen Christen, ohne zu wissen, was sich zu Hause ereignet hatte, da erhoben sich die Christen wider sie und erstachen sie mit dem Schwerte, es waren zwei brave Männer, Gott räche ihr Blut. Der durch das Schwert Geschlagenen und Verwundeten waren mehr als vierzig. Wäre nicht die Gnade Gottes, wir wären Gott behüte beinahe wie Sodom u. s. w., denn die Tore standen öde und die Juden erlahmten schon in ihrem Widerstande, der Pöbel aber verstärkte sich, indem er das Gerücht verbreitete, daß die Juden einen Christen getötet haben, um dadurch den Grimm und Zorn zu steigern, da erbarmte sich Gott seines Volkes. Gott half an diesem Tage Israel aus der Hand seiner Bedränger durch einige Einzelpersonen, die unter Lebensgefahr zu dem Feldherrn gingen, der den Juden Freund, und bei ihnen beliebt war, er schickte sofort ein Kommando, um den Aufruhr zu beschwichtigen, auf die Bösewichte, die wie das Meer tobten, das sich nicht beruhigen kann; bis 10 Mann vom preußischen Heere kamen, bevor noch ihre Zeit war, weil sie das Gerücht gehört hatten. Sie vertrieben alle Feinde und stellten eine Wache auf, so daß kein Hund seine Zunge gegen einen der Kinder Israel reckte, da sang Israel und pries Gott und erzählte jubelnd seine Wundertaten. Das preußische Heer kam und setzte alle Soldaten in der Stadt gefangen, der Heerführer legte dem Lande eine Steuer auf und den Juden eine so schwere Last, daß der Trost von unseren Augen schwand, wir haten keinen Lichtstrahl mehr, wir waren ermüdet, es wurde uns keine Ruhe, denn frechen Lug und Trug brachten unsere Feinde gegen uns auf, die Männer der Stadt, das Volk, in dessen Mitte wir leben, sie brachten viele Lügen gegen uns auf, so, daß die Juden es mit dem Preußen gehalten, sie in die Stadt hereinzubringen u. dgl. viel Dinge, die nie jemanden in den Sinn gekommen, und die in Israel nicht gehört worden waren, auch schrieben sie gegen uns Feindliches nach der Residenzstadt Wien, und denunzierten beim Hofe, indem sie sprachen, die Juden haben sich gegen dich erhoben (sind dir untreu geworden) und selbst die Guten unter ihnen glaubten diese erlogenen Beschuldigungen und stießen die Juden mit beiden Händen von sich, denn es graute ihnen vor den Kindern Israel. Um diese Zeit erhob sich ein Christ gegen uns, der seit Jahren ein Feind Israels war, und zu den Stadtältesten