Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 377)
- Language
- German
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362 eines Kindes, und Gott erwies ihr Wunder, der Müden und Matten Kraft zu verleihen, denn gar oft mußte sie aufstehen und weggehen wegen der Schrecken des Todes und der schlimmen Gerüchte, die den ganzen Tag, die ganze Nacht kamen. In der Nacht des Versöhnungstages (16. September) warfen sie Bomben, wir sahen Feuer zum Himmel fliegen, fast wankten die Grundfesten der Erde, ebenso am Versöhnungstag selbst, bis sich die Schatten des Abends herabsenkten, denn da ruhte der Kampf, wir hofften auf die Hilfe Gottes und auf seine Gnade, die all die Zeiten gegen uns nicht aufgehört hatte. Gepriesen sei Gott, der wunderbar Gnade übte in der belagerten Stadt, wo das gewaltige Feuer unsere ganze Umgebung verzehrte und unser Gebiet nicht berührte. Kurz vor Sonnenuntergang, zur Zeit wo die Tore geschlossen werden, öffneten sich uns die Tore des Erbarmens, es wurde dem Herzen der Stadtbewohner eingegeben einen Akkord zu machen, sie schickten Abgesandte, die in Sachen des Akkord und der Übergabe der Stadt hin und her gingen. Gott erwies Israel eine große Hilfe, denn die Furcht Gottes befiel die Bewohner der Stadt und sie schlössen Frieden mit dem Könige von Preußen, das Land wurde an diesem Tage ruhig. Gelobt sei Gott, der wunderbar Gnade erwies in der belagerten Stadt und unsere Häuser rettete vor Feuer und Schwert. Von allen Juden, die auf der Mauer gestanden waren, fehlte nicht einer, doch waren sie unter lebensgefährlichem Zwange genötigt gewesen, den Feiertag zu entweihen. Am Ausgange des Versöhnungstages flohen die Leute der Wache, die Bürger, die zu unserem Schutze bestimmt waren, Gott aber stand uns bei. Am Donnerstag, den 11. (17. Dezember), stand uns ihr Verdienst bei, denn an diesem Tage war kein Fürst und kein Eichter und die Beamtenschaft des Königs von Preußen kam gemäß dem Akkorde erst am Freitag, den 12. d. M. (18. Dezember), sie planten Unheil gegen uns, indem sie sprachen, lasset uns hinaufziehen gegen Juda, sie aufwecken und unseren Grimm über sie ergießen. An diesem Donnerstag, um vier Uhr wollte ein Soldat eine jüdische Frau ausrauben und plündern, und da die Frau Widerstand leistete, sammelten sich große Scharen, um Gott behüte Vernichtung und Vertilgung zu üben, um Jakob und seine Wohnstätten zu verzehren. Die Juden schlössen die Tore und rüsteten sich eilends mit Speeren und Stöcken, jene aber kamen mit gezücktem Schwerte, Feuerwaffen, sie töteten