Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 376)
- Language
- German
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361 es dauerte nicht lange und wir hörten ein Gerücht, daß wir erstarrten, nämlich im Monate Ab 504 (Juli—August 1744), daß der König von Preußen und sein Volk zu einem neuen Kampf ausziehen und daß er all seine Heere, ein zahlloses Volk zusammenberufe, um in Böhmen einzufallen und Prag zu belagern. Von da ab blieb niemand Mut. Bald darauf hörten wir die Schreckensbotschaft, daß der preußische Adler über allen Städten Böhmens wehe, in der ganzen Provinz war keine Stadt, die ihm widerstand. Am 22. Elul (30. August), kamen die Preußen plötzlich vor das Tor der Stadt, die Stadt erdröhnte vor dem großen Lärm und Getümmel, wie jeder gegen sie eilte zum Kampfe, die Soldaten in der Stadt bereiteten sich nicht einmal Zehrung, denn man mußte raschest an das Tor. Gott ließ die Preußen zurückweichen, denn sie waren nicht stark genug, in die Stadt einzudringen und wohin immer sie sich wendeten, tummelten sich die Soldaten in der Stadt und vereinigten ihre Lager zur Schlachtreihe und schleuderten Bomben und Pfeile hinaus, die Preußen errichteten sich Häuser und Zelte und schütteten Wälle auf, Jedoch einige Tage lang schadeten und vernichteten sie nichts mit den Pfeilen, und das war von Gott so gefügt, daß unser Gebet an den furchtbaren Tagen, den Selichothtagen und dem Neujahrsfest nicht gestört wurde, man hörte vom Kriegslärm nichts bis zum Ausgang des Festes, da wankte die Erde von dem großen Lärm der Bomben und Stuck und noch mehr vor all den Wurfgeschossen, die Erde barst vor dem Lärm. Die Preußen erfanden Brandkugeln mit unfehlbar wirkendem Feuer und schleuderten sie, dadurch brannten einige Häuser auf der Neustadt ab, sie bauten Mauern und Wälle in allen Richtungen der Stadt nach Norden und Süden, wir aber wohnten innerhalb dieses Bereiches und fürchteten uns darum vor dem großen Feuer, daß es nicht, Gott behüte, auf die Judenstadt übergreife mit ihren hochgebauten, ganz eng aneinander gereihten Häusern. Wir hofften auf Gott, daß er uns schütze und vor dem Feuer rette; zwischen Neujahr und dem Versöhnungstage wurde das Feuer immer stärker, das Getöse hörte Tag und Nacht nicht auf, sodaß alle Herzen gebrochen, alle Gedanken betrübt waren, die Menschen wankten, die Ohren fast taub wurden, und wir aus Schrecken verwirrt wurden, oft allerdings ob falscher Gerüchte, so ging an uns in Erfüllung: „Ich bringe Furcht in Euer Herz". Um diese Zeit war meine Frau ans Bett gefesselt durch die Geburt