Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 375)
- Language
- German
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360 zum Andenken in ein Buch, um zu erzählen von der Herrlichkeit Gottes, von seiner stets bewährten Gnade. So begnade uns Gott, daß wir vor ihm leben als Rabbiner, Gelehrte und Vollkommene in seinem Dienste.72) Es war i. J. 5501 der Schöpfimg, nach dem Tode Kaiser Karls des Ersten erbebte die Erde, der Krieg lastete schwer auf dem Lande Böhmen, ein Drangsal reihte sich ans andere ohne Aufhören für alle Bewohner durch die vier Könige, die sich vereinigt hatten und ihre Truppen gemeinsam mit den Französischen gegen das Heer der Könige von Ungarn schickten, nämlich Bayern, Sachsen und Preußen. Die Juden, die in den offenen Städten der Provinz wohnten, erduldeten oft Raub und Plünderung und erlitten Schaden am Vermögen und an ihrem Leibe. Besonders schwer war das Geschick der Bewohner Prags, die die viele Monate lange Belagerung mitmachten, die den Juden nur böse Tage brachten; ihr Vermögen schwand dahin durch die vielen Abgaben für den Unterhalt des Heeres der Alliierten, dies war das erste Galuth Prags durch 5 Monate, bei alledem war die Hand Gottes über sie ausgestreckt, daß sie nicht am Hunger starben, bis die Stadt in die Hände der Ungarn fiel, im Kislew des Jahres 503 (November, Dezember 1742), da gab Gott den Häuptern der Kinder Israels Gunst in den Augen der Führer, daß sie befahlen, ihnen nichts Böses zu tun, doch ist es immöglich, alle jene Begebenheiten zu erzählen und die vielfachen Rettungen, wie Gott sie vom Tode gerettet während der Belagerung der Ungarn, das ist das 2. Galuth Prags. Ich will nicht alle Begebenheiten und Wunder jener Zeiten der Reihe nach erzählen, denn man kann von jemand, der ein Wunder nicht selbst sah, nicht verlangen, daß er komme und das Wunder bezeuge, ich war aber in dieser drangvollen Zeit nicht bei ihnen, und mag nicht auf Grund von Aussagen anderer erzählen, was ohnedies schon beschrieben ist.73) Im Monate Elul, Ende dieses Jahres (August—September 1743) gingen wir, d. h. mein Herr und Lehrer, mein Vater der Rabbiner und Gaon muhrr Moses der Levite, sein Licht leuchte und ich der Geringe aus dem Hause Levi daran, das Wort Gottes zu erfüllen, mir ein Haus zu errichten; es fand meine Heirat mit meiner Frau Malka, der Tochter meines Herrn und Schwiegervaters, des berühmten Rabbiners und Vorstehers muhrr Samuel Halevi, sein Licht leuchte, statt. Damals war Ruhe und Frieden im Lande, so daß wir auf Frieden hofften; doch