Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 372)
- Language
- German
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357 bis auf den Grund. Viele tausende Gulden beträgt der Schaden. Entsetzt euch darob, ihr Himmel, Erde verdecke nicht mein Blut, das aufschreit, willst du dazu schweigen u. s. w. Die Boten eilten durch das ganze Land und sagten, wer ängstlich und zaghaft ist, gehe und hüte sich. Überall wohin sie kamen, war große Trauer bei den Juden, ich ging mit meiner Frau, sie lebe und meinen Söhnen, sie mögen leben, in die feste Stadt Haid in der nächsten Nähe von Neustadt und blieb dort einige Tage, bis an mir der Sturm vorbeigezogen war, das sind die erwähnten Krowaten. Darob werde erhöht und erhoben sein Reich, gelobt sei Er, und wie man den Segenspruch spricht über.....66) Nachdem uns so das Wasser bis ans Leben gegangen war und wir fast ganz in dem Schlamm versunken war, da hörten wir die Unglücksbotschaft von der Verteibung, daß wir ganz vertrieben werden sollten, und dieses Unglück ist noch viel schwerer als alle vergangenen, denn alle sind darin enthalten, wir sagten und sprachen, wo sind die früheren Gnaden Gottes, die er getan in den Tagen der Vorzeit, von denen unsere Väter uns erzählten, jetzt sind wir ganz verstoßen. Notgedrungen blieben wir 4 denkwürdige Jahre in N§, im Hause meines Schwiegervaters, seligen Andenkens, böse langwierige Krankheiten herrschten dort und in der Provinz lange Zeit. Schwer fiel mir die Trennung von unserer heiligen Gemeinde Prag, in der Zwischenzeit reiste ich oft von NS nach Prag, nach dem Befinden meiner Brüder zu sehen, wo die heilige Herde weidet, das zerstreute Lamm Israel, das nach allen Winkeln zerstreut war von einem Ende zum anderen, denen das Leben zum Uberdrusse war, weil sie bei Tag nach Prag gehen mußten, Nahrung für ihre Familie zu schaffen, und abends wieder in ihre Häuser vor dem Stadttor zurückkehren, in die Dörfer und Städte und Felsschluchten, auf Grund des Befehls unserer Herrin, der Kaiserin, ihre Herrlichkeit werde erhöht. Die meisten von unseren Gemeindemitgliedern wohnten in der Gemeinde Brandeis, ungefähr 3 Meilen von Prag. Es war am . . . des Monates Adar 505 (Feber 1745)67) als ich in Prag war, ging ich nach Lieben in das Gasthaus des vornehmen R. Hirsch Pisk und lag dort etwa 10 Tage krank. Der ohne Entgelt Heilende, der schlägt und heilt, verwundet und verbindet, er heilte mich und am Fasttag Ester fuhr ich mit der Post von NS und dort erfaßte mich Angst und Schrecken, es befiel mich Fieber — nicht bei Euch — diese