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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 371

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 371)
Language
German
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IRI
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356 Preußen, das Joch der Steuern und Abgaben steigt, und wer kann raten was man tun solle, bleiben wir aber hier im Tale gegenüber dem Bauernhause in NS, so sind doch meine teueren Kinder in Belagerung und Bedrängnis. Kann eine Frau ihren Säugling vergessen, sich nicht zu erbarmen des Kindes ihres Leibes, und ich sollte sie vergessen? Da schickte gerade mein Schwager R. Simon einen Wagen mit Pferden nach Prag, um seine Kinder und Diener nach NS zu bringen und da bat ich ihn, er möge auch meine Söhne, sie mögen leben, von dort hierher bringen und so wurde es auf vieles Drängen auch ihnen gestattet (von den Behörden). Ich schrieb meinen Söhnen, sie leben, sie mögen alles Blei und Kupfer und die Kleider in das große Zimmer geben, wo das Silber und Gold bereits in meinem Versteck verborgen war seit meiner Abreise von dort, sie sollten darauf sehen, daß dieses Zimmer gut versperrt und verriegelt sei, sie sollen alles mit Riegeln versehen, wegen der anstoßenden Zimmer sollten sie meinen Freund R. Abraham Weil und seine Hausleute ersuchen, besonders Acht zu geben, bei allem was sich ereigne; sie taten es auch. Wir wohnten in NS in Angst und Schrecken besonders wegen der Not unserer Brüder, die in Prag wohnten, die unter den Preußen in Not waren, denn zwischen Ach und Weh ging der Sohn der Unglücklichen zugrunde65) und die Stadt war diesem Volke ausgeliefert. Ein Unglück drängte das andere. Im Monate Kislev d. J. (November 1745) verstummten unsere Wünsche, in unserem Munde war keine Rede. Ein Gerücht wurde laut, beim Hören schmerzt unsere Seele, unsere Augen wurden verfinstert daß sie nicht sehen, die Haare standen uns zu Berge, wie sitzt verlassen unsere Gemeinde, wie ist die Reihe gestört, zerstört wie Sodom und Gomorah. Geplündert und beraubt haben sie das Kleinod Israels, zertreten wie den Kot der Gassen; wollte ich alle Strafen, Verhängnisse und Unglücksfälle dieser Zeit einzeln aufzählen, würden die Bogen und die Zeit nicht reichen, die Zeit wäre um, die Aufzählung aber nicht. Um unserer Sünden willen traf auch mich das Strafgericht, wie Lehm wurde vernichtet der Verschluß meines Hauses, meines Heimes; was im großen Zimmer und in den anderen Zimmern war, wurde zur Beute, zum Raube, all mein Silber und Gold, meine Wertsachen, meine teueren Kleider, auch Blei und Kupfer wurde, wie gesagt, alles geraubt, gründlich ausgeplündert, sie zerstörten, verwüsteten mein Haus um unserer Sünden willen

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