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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 370

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 370)
Language
German
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IRI
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355 unsere Wunde, niemand wußte, „wann ein Ende solcher Wunder sei44. Auch unsere Abgesandten kamen von Wien mit leeren Händen, das Volk war in den Städten und Dörfern zerstreut und mußte große Not und Elend ertragen ohne Nahrung, ohne Erwerb, wir hatten auch keinerlei Geschäft, nicht einmal um einen Heller, denn unsere Brüder in der Provinz hinderten es. Ich selbst, ich rede mit gebrochenen Herzen, denn ich reiste von unserer Gemeinde, Gott behüte sie, nach der Stadt Eger, mit meiner Frau, sie lebe, am 3. Tamus 505 (3. Juli 1745), ich hatte die Absicht, dort etwas für meine Gesundung zu tun und Wasser zu trinken von der unter dem Namen Sauerbrunn bekannten Quelle, da erschrak mein Herz, es erbebte mein Inneres über die Nachricht, die ich erhielt, daß mein Schwiegervater, der gelehrte R, Jokew NS63) krank darniederliege; ich konnte mich nicht zurückhalten und fuhr in das Haus meines Schwiegervaters in NS, da sah ich an seinem Gesicht eine böse Krankheit. Das Licht Gottes die reine Seele erlosch am 26. Ab, da ging er in seine Welt ein und ließ uns das Leben, es ruhe seine Seele im obersten Garten Gottes. Und während noch die erste64)....., kam schon eilends die zweite Botschaft in dieser gärenden Zeit. Während der Trauertage meiner Frau, sie lebe, schrieb man aus der Residenzstadt Wien verschiedene Briefe, die alle besagten, daß die Preußen wieder Böhmen der ganzen Länge und Breite nach mit sehr starken Kriegsvolk durchziehen werden, und während man noch davon redete, kam ein eigener Bote von meinen Söhnen, den Jünglingen, sie mögen leben, sie schrieben Klagen über Klagen, Jammerbriefe, es war in allen 4 Städten Prags die Verlautbarung erfolgt, daß jeder Hausvater, Jude oder Nichtjude, Getreide, Nahrung und alle Lebensmittel auf ein halbes Jahr einkaufen und in sein Haus bringen solle, damit sie ihre Hausleute in den Jahren des Hungers ernähren können, denn Furcht vor dem Feinde und großer Schrecken hatte die Männer Prags befallen und Schrecken ringsum vor dem Grimme des Bedrängers, falls die Stadt belagert würde. Dergleichen Verordnungen wurden viele ausgerufen unter dem Schall der Kriegstrompete. Und nun, schaue und sieh!, ob ein Schmerz dem meinen gleiche, an wen sollte ich mich wenden? Wollte ich mit meiner Frau, sie lebe, in die Stadt, meine 3 Kinder, sie leben, zu sehen, so herrscht doch der Hunger dort, der vernichtende Hunger, Gott behüte, und wer weiß, wie hoch die Abgaben an die

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