Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 366)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0823-2645165- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
351 werde, sollten alle von hier wegziehen, damit, wenn die Hilfe komme, man sehe, wer hierbleiben könne, wer weg müsse. So kam auch am Mittwoch, den 17. (19. April) ein Brief an die Vorsteher und Führer, wo all die Größe und Stärke der Fürsprache und die großen Gnaden geschildert waren der Vornehmen Böhmens und Mährens und ganz besonders des großen gnädigen Fürsten von Nikolsburg, er und sein Bruder, der große Fürst, arbeiteten energisch am Hofe der Königin und fanden Gunst und Gnade, die Frist für die Vertreibung noch weit zu erstrecken, bis ihre Fürsprache zum zweitenmale hinkam, mit dem Vorwande, daß sie noch mit den Bewohnern des Landes durch ihre Schulden verbunden seien u. dgl.; es erging auch ein Erlaß der Statthalterei mit dem strengen Auftrag, auf die Juden wohl acht zu geben und sie strenge zu bewachen und sie vor denen, die gegen sie aufstehen, zu retten und ihnen Gutes zu tun, jedoch das galt nur für die Provinz, nicht für unsere Gemeinde, nur hieß es dort, daß alle Exulanten aus Prag in Böhmen, in jeder Stadt, wo sie in Ruhe wohnen wollten, geduldet werden müßten. In den langen Zeiten des Leides wurde in unseren Straßen der Jubel des Bräutigams und der Braut nicht gehört und keinerlei Freude. Am Donnerstag, dem 2. Tage des Neumonds Ijar (21. April 1746), zog hier der Fürst Lobkowitz durch von der italienischen Kriegsfront an die preußische. Die Führer gingen zu seinem Empfange, ein Geschenk hatten sie vorausgeschickt; er nahm sie freundlich auf. Den Trägern des Geschenkes gab er 2 Dukaten Spezies; er versicherte sie, daß er am kaiserlichen Hofe zu unseren Gunsten eintreten werde, und er hinterließ einen Befehl an die Feldherrn und seine Truppen, wenn sie im Kriege herkommen, sollten sie uns Gutes tun, weil unsere Feinde viele waren und viele sich wider uns erhoben, unsere Namen auszurotten. Die Leute unserer Gemeinde, die in die Verbannung mußten, zerstreut und zersprengt, waren vereinzelt in den Dörfern, ringsum in der Nähe der Stadt. Als diese den Kriegslärm hörten, flohen viele nach fernen Orten und Ländern, auch her in die Stadt kamen viele zurück, um in der von Mauern umgebenen Stadt Schutz zu finden und da der gütige Graf Kolowrat tit. ein Mann voll Erbarmen ist, erlaubte er ihnen hier zu wohnen, und wären nicht die Füchse, die den Weinberg verderben, den Weinberg Israel abhacken, Dornen und Pflöcke, Männer ohne Ansehen, dann hätten noch viele vom