Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 365

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 365)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2644300-2644303--0822-2645164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

350 Sabbat, ohne ein Kleid zu wechseln, Geringe oder Vornehme, dagegen sahen wir die Bürger und ihre Frauen eingehüllt und gekleidet in unsere Kleider, die sie uns genommen oder von uns gekauft und niemand half uns, unser Gesicht war fast unkenntlich, weil wir mager waren und schlecht aussahen, denn es fehlte uns alles Gute, es gab kein Geschäft auch nur um einen Heller, dabei waren die Wachmannschaften in unseren Gassen die Zerstörer der Stadt, sie zerstörten und vernichteten, was sie vorfanden, selbst den Nagel an der Wand, selbst die Schlösser und Fenster und verkauften es um einen geringen Preis, wir hatten nicht die Macht es zu hindern. Unsere Brüder in der Verbannimg durften nur am Tage zu uns kommen, mit einem Erlaubnisschein um 3 kr. für den Tag und durften bei großer Strafe hier nicht übernachten. Seitdem wir in die Verbannung gegangen, hörten wir keine gute Nachricht bis in die Nacht des Sabbatausgang des 9. Nissan (11. April 1745), wo eine Staffette aus Wien kam, um uns anzuzeigen, daß die Hilfe bald komme, da alle Könige und Fürsten sich für uns verwenden. Am Donnerstag, 27. d. M. (29. April) kam an uns ein Brief des bekannten Führers R. Tobia Haag, Gott behüte ihn, der in Amsterdam am 3. Halbfesttage Pesach geschrieben war. Der Inhalt war, daß er die Bestätigungen aller unserer Privilegien von allen Kaisern und Königen erhalten habe, daß unsere Not auch die seinige sei und, daß er bereit sei, uns beizustehen, er habe schon durch die Vornehmen der Staaten Hollands intervenieren lassen. Der Fürst von Breit werde in seinem Lande unsere ganze Gemeinde freundlich aufnehmen und werde ihnen einen Wohnort auf ihre Kosten erbauen; Kalk, Steine, Bauholz gebe er umsonst, während der Erbauimg der Stadt durch 10 Jahre werde er ihnen keinerlei Steuern auferlegen, er schrieb noch mehr in seiner guten Sprache, darum ist es geziemend, ihm einen besonderen Segen zu widmen und für sein langes Leben zu beten. Am Dienstag, den 16. d. M. (18. April), anfangs der Nacht zog Freude durch das Lager der Hebräer. Zwei Staffetten kamen gleichzeitig her, um uns anzuzeigen, daß die Hilfe bald komme für Prag und die ganze Provinz, es sei schon von der Kaiserin geschrieben und besiegelt. Trotzdem wurden am nächsten Tage, den 17. d. M. (19. April), die meisten Kranken von hier nach anderen Gemeinden geschickt, nach Bunzlau, Raudnitz, Kolin. Am selben Tage befahlen die Behörden, da die Rettung bald kommen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.