Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 364)
- Language
- German
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349 waren in unseren Lehrhäusern, stets waren alle Hürden voll von Böckchen und Böcken, mit Hörnern geziert.58) Heil dem Auge, das dies alles gesehen, als unsere Gemeinde noch festgefügt war, wehe, wehe den Augen, die die Zerstörung unserer Synagoge, die Verwüstung unserer Lehrhäuser, die Vernichtung unserer Häuser unserer Gemeinde sahen, die sahen, wie der Bund unserer Gemeinde gesprengt wurde nach allen 4 Weltrichtungen. Dies sind die Wanderzüge der Kinder Israels, von den Kindern der Stadt, den Reichen, den Vorstehern und Führern, den Bedeutenden und Angesehenen unserer Gemeinden bis zu den Ärmsten. Sie zogen aus von Kehelatha (der Gemeinde) und lagerten in Ezion Geber und lagerten in Charada (Schrecken) und lagerten in Libna (Lieben) und lagerten in Mara (Bitterkeit) und lagerten in Ebel Schittim (Trauer) und Chazeroth, das ist Smichov, das in nächster Nähe von Prag liegt.59) Von da trennten sie sich nach den 4 Weltgegenden in mühevoller Reise ohne Ruhe und Rast mit Ausnahme eines Teiles des Volkes, des elendsten, die auf dem Krankenlager lagen, etwa 200 Seelen und ihre Bedienung, sie wurden verpflegt durch einige hervorragende Einzelpersonen, die hier geblieben waren, von 600 fl., die in der Armenkasse übrig waren. Jeder der Zurückgebliebenen erhielt von dem barmherzigen gnädigen Grafen Philipp Kolowrat, einem der Fürsten, die in der Regierung Böhmens — der Statthalterei — an der Spitze waren, und dessen Güte gegen uns mit Gottes Hilfe in diesem Buche erzählt werden wird, einen kleinen Zettel mit seinem Siegel zum Ausweis, er durfte aber die Stadt nicht verlassen. Von da ab blieben unsere Synagogen verschlossen mit Ausnahme der Altneuschul, die von Einzelnen AI Thenaischul genannt wird, weil sie in der Zeit der Zerstörung des 2. Tempels — möge er bald in unseren Tagen wieder erbaut werden — erbaut worden war „al thenai" unter der Bedingimg, ob der Tempel wieder erbaut werde oder nicht, Einige sagen, weil sie von Nehardea herkam (gewichen) und sich hier niedergelassen. Das finden wir im Talmud von der Synagoge zu Nehardea,60) dorthin versammeln sich die Reste unserer Synagogen und kamen hin um zu beten, jedoch im Finstern ließ er mich sitzen, denn von all den großen kostbaren Leuchtern blieb uns nicht einer übrig. Am Pessachfeste darauf hängten wir einen kupfernen Leuchter auf, wir gingen ganz ohne Mantel und Kragen in der Gasse aus der Synagoge, sowohl am Werktag wie am