Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 363)
- Language
- German
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348 Finstern sitzen, kein Licht war in all unseren Gassen zu sehen. Das Freitagabendgebet erfolgte unter viel Weinen mit bitteren Tränen, wir sprachen nicht den großen Kiddusch,57) drei Gruppen Soldaten kamen gegen große Kosten zur Wache in unsere Gassen, Stadtleute, Nilowschi (?) und Ungarn, 76 Mann, sie waren aber nicht Hüter, sondern Zerstörer der Stadt. Denn sobald sie sahen, daß niemand im Hause sei, drangen sie ein, machten Feuer in den schönsten Häusern und nahmen, was sie fanden. Am nächsten Tage, dem heiligen Sabbat Schekalim den 26. d. M. (28. Feber) kam eine Staffette von unseren Abgesandten aus Wien, daß die Frist um 4 Wochen verlängert sei, wie sie es von den Fürsten erbeten, weil es unmöglich ist, ohne diese Fristerstreckimg die Schulden zu zahlen. Bevor noch der Donnerstag, der 28. Weadar (1. April) anbrach, da waren aus unserer heiligen Gemeinde alle Mitglieder weggezogen, von Jung bis Alt, Kinder und Frauen und die ganze Gemeinde erhob ihre Stimme und weinte diese Nacht durch, am Abend Weinen, am Morgen Jammer und Klage wegen der Zerstreuung der Gemeinde, der Lösung des Bundes; es schwand von der Tochter Zions all ihre Pracht, ins Exil gingen ihre Synhedrin, groß und klein, die Männer der Versammlung „die auf Eselinnen reiten, die auf Thronen sitzen44, das sind die Weisen der Hochschulen, der Gerichtshöfe, die Kraft und Macht haben im Kampfe der Thora, die, wenn Gott behüte, die Thora von Israel vergessen worden wäre, sie durch ihren Scharfsinn wieder hergestellt hätten und obwohl wir keinen Leiter der Hochschule hatten, keinen Vorsitzenden des Gerichts von dem Tage an, da die Herrlichkeit der Thora aufgehört hatte und die Ehre von Israel geschwunden ist, nämlich der Stolz unserer Pracht, die Zierde unserer Gemeinde, der Fürst unserer Verbannten, unser Meister und Lehrer Rabbi Dawid Oppenheim, er ruht in Ehre, der i. J. 497 (1736) in die himmlische Jeschiwa einging, und der letzte Sehlag, der war besonders schwer, das Scheiden jenes Gerechten aus unserer Mitte, des Gaons, des Rabbiners, der das Steuer führte durch die Tiefen des talmudischen Meeres und das Lernen methodisch gerade gestaltete, unser Meister und Lehrer R. Jonathan er lebe ewig, der uns zu Augen ward; als er von uns schied wankten fast die Säulen der Thora, bei alledem war unser Geschlecht nicht verwaist, auch nach diesen hörten, Gott behüte die Hochschulen, nicht auf, Tausende und Zehntausende