Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 362)
- Language
- German
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347 Könige und Fürsten nützten nichts. Am Rüsttage des Neumondes Adar (2. Feber) taten wir Außerordentliches in Buße, Gebet und Wohltun, um das böse Geschick abzuwenden, viele hundert kleine Schulkinder beteten auf den Gräbern der Rabbiner, ihre Stimme werde weithin gehört. Um Mitternacht des darauffolgenden Dienstag schickten wir zwei Kuriere, einen nach Wien und einen nach Dresden, von da ab beeilten wir uns mit dem Verkaufe unseres Besitzes, all unsere teueren Kleider, Gewänder aus feinem Leinen und Seide wurden stückweise verkauft, ebenso Tische, Kästen, Sessel, die irdenen Geräte und, obwohl man uns aus Wien geschrieben und uns gewarnt hatte, dies zu tun und uns auf Hilfe vertröstet hatte, so hielten wir uns nicht daran, weil wir unsere Not kannten und sahen, daß man täglich gegen uns boshafte Verleumdungen aufbringe und viele gefangennehme, denn sie suchten einen Vorwand, uns nackt und ganz notleidend zu vertreiben. Darum beeilten wir uns zu verkaufen, so daß uns nicht einmal eine Schüssel oder ein Topf zum Kochen blieb. Den Geistlichen allein hatten wir, bevor wir wegzogen, bar 170.000 fl. zu zahlen, ebenso den Kaufleuten. Diese großen Summen wurden von den Reichen und dem Mittelstand eingehoben, es durfte niemand von hier wegziehen ohne schriftliche Erlaubnis ohne Ausnahme; diese Erlaubnisscheine wurden auf der Kleinseite ausgestellt, die betreffenden Gassen waren stets voll von unseren Gemeindemitgliedern, die die Erlaubnisscheine zur Abreise wollten, weil die böse Zeit immer näher kam, die Vertreibung bald erfolgen sollte. Viele Hunderte standen bis Mitternacht in der größten Kälte, bis sie den Schein erhalten hatten. Vom nächsten Tage ab waren unsere Gassen voll mit Pferde- und Ochsengespann, damit jeder mit seiner Familie an den Ort, den sie wollten, ziehen konnte. So zogen die Kinder Israels aus von diesem Tage bis zum darauffolgenden Freitag, Israel, die nach den 4 Weltgegenden zerstreuten Schäflein mit den kleinen zarten Kindern in furchtbarer Kälte und Frost. Es blieben nur einige wenige zurück und einige Reiche als Pfand für die Zahlung der Schulden; an diesem Sabbath hörte die Freude auf, denn die Stadt und Mutter in Israel blieb zurück wie eine Hütte im Weinberge, wie ein Wächterhaus im Kürbisfelde, wie eine belagerte Stadt. Alle Synagogen und Häuser in unseren Gassien, die nicht zerstört waren, waren verschlossen mit Ausnahme der Altneuschul. In dieser Nacht ließ Er mich im