Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 360)
- Language
- German
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345 serin, ihre Herrlichkeit werde erhöht, wären, es kamen auch Briefe aus Hannover an uns, daß alle obenerwähnten uns zur Seite stehen durch Vermittlung der Vorsteher und Führer R. Tobias Haag und R. Gumpel Kilei (Kleve) und R. Bendit Neumegen und die Chachamim und Führer der Sefardim.55) Diese Briefe wurden an den vornehmen berühmten R. Michel von Hannover, Gott behüte ihn, gesendet, er schicke sie an den vornehmen, berühmten R. Wolf Wertheim nach München und dieser schickte sie an den vornehmen, berühmten R. David Sinzheim in Wien, und wiewohl nur ein gutes Werk nach dem genannt wird, der es zu Ende führt, so ist es doch billig, daß sie für ihre mächtige Intervention auf dieser und jener Welt belohnt werden, denn die gute Absicht wird zur guten Tat zugeschlagen. Du, o Gott, beschütze sie in alle Ewigkeit. Am nächsten Tage Donnerstag hatten wir großes Fasten, wir setzten für alle Synagogen Jörn Kipur Koton fest mit den erschütternden Gebeten mit Anlegen von Tallis und TefiUin in besonderer Heiligkeit und Reinheit und es wurden Nachrufe gehalten für die am Tage des Grimmes ob der Heiligung seines Namens — gelobt sei Er — Erschlagenen, wir setzten uns zur Erde und weinten bis einige Stunden in der Nacht. Von jetzt ab dienten uns die Nächte lange Zeit hindurch zum Wachen, zwecks Psalmenbeten und Thoralernen. An diesem Tage kam der Befehl, daß niemand, Jung oder Alt, Mann oder Weib, von hier wegziehen dürfe, damit sie nichts von hier mitnehmen könnten, und um uns mit allen möglichen Mitteln und Gefängnis zu zwingen, zuerst der Kaiserin, ihre Herrlichkeit werde erhöht, für die alten Schulden 200.000 fl. zu zahlen, dann der Geistlichkeit 170.000 fl. und endlich die Schulden an die Kaufleute hier und in Leipzig und in Nürnberg. So kam es, daß viele ins Gefängnis kamen und große Häuser versiegelt wurden. In diesen Tagen fanden wir keine Ruhe für unseren Fuß, keinen Augenblick. An diesem Sabbat wurden die Gebete bis einige Stunden in die Nacht hinausgezogen, weil die Gemeindevorsteher solange bei den Behörden zurückgehalten wurden. Bei ihrer Rückkunft hörten wir, daß von der Behörde beschlossen worden sei, am kommenden Sonntag alle Armen unserer Gemeinde von hier zu vertreiben, u. zw. falls sie nicht gutwillig gehen, mit Gewalt. Als man das in unseren Gassen hörte, erfaßte uns Angst und Schrecken. An demselben Tage war bei den Juden ein wenig Licht und Freude, wir empfingen nämlich Briefe von unseren