Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 359)
- Language
- German
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344 Kleidung in Reinheit und Heiligkeit von Abend zu Abend. Die Häupter unserer Gemeinde liefen mit Interventionen hin und her, ebenso mehr als 5 Staffetten. Am Sabbatausgange wurde durch unsere Abgesandten uns bekannt, daß die Kaiserin noch auf ihrem Standpunkte beharre, obwohl viele angesehenen Fürsten sich für uns eingesetzt hatten und sie schärften uns ein, viel und eindringlich zu beten, so wurde in dieser Nacht noch für den nächsten Tag, den Rüsttag des Neumondes Schebat (3. Jänner), ein Fasten ausgerufen. Wer nicht die gewaltige Heiligkeit dieses Tages gesehen, hat in seinem Leben nichts gesehen. Den Tag über hörten wir nicht auf, unter vielen Tränen die erschütternden Gebete zu beten, ohne Zahl auf dem Friedhof, sogar unsere Feinde kamen zu uns hin, und auch sie weinten alle sehr. Um 2 Uhr nachmittags versammelten wir uns in den zerstörten verwüsteten Synagogen, dort ergossen wir unser Herz wie Wasser, wie aus einer Quelle strömten Tränen wie Bäche, besonders in der Pinkasschul, dort hatten sie den Altar Gottes zerstört und den Almemor eingerissen. Dort versammelten sich alle, die den Sabbat und die Feiertage entweiht hatten bei ihrer Arbeit auf den Schanzen und beim Feuerlöschen, sie zogen das Gebet bis einige Stunden in die Nacht hinaus, ihre Stimme wurde in allen Gassen gehört. Die Gemeindevorsteher liefen hin und her bei den Geistlichen und den Häuptern der Bürger und baten sie, nicht grausam mit uns zu verfahren und nichts Böses über uns zu schreiben. An verschiedene Vornehme sandten wir Bittbriefe, für uns zu bitten, daß man uns nicht rasch vertreibe, weil unter uns viele Greise und Kranke, Krüppel und Gebärende und Verwundete sind, die keine Kraft haben, auch nur auf einer Krücke hinauszugehen, geschweige denn auf eine weite Reise zur Zeit des strengen Frostes, wo noch die Wege durch Soldaten gefährdet, die Provinzen verschlossen sind; auf vieles Bitten verlangten sie die Zahl der Kranken zu wissen, sie versammelten sich mehrmals auf dem Friedhofe und in ihren Häusern, bis die Ärzte kamen, sie ansahen und alle in einem Buche verzeichneten. Am Mittwoch, den 3. Schebat (6. Jänner), kam hier ein jüdischer Knabe auf der Reise von Dresden nach Wien durch, mit verschiedenen Briefen von dem Fürsten, dem Feldherrn Weißenfeld an Prinzen Karl; von Hannover schrieb man uns, daß die Könige und Vornehmen von England und Holland alle ehrliche Anwälte für uns bei der Kai-