Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 358)
- Language
- German
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343 sehen waren, das Herz unserer angesehenen Brüder dort zu bewegen, vielleicht erhört uns Gott, Gutes durch Gute zu erwirken. Am 19. d. M. (24. Dezember 1744) versammelten sich alle Gemeindemitglieder, fasteten, weinten und klagten, sagten Selichoth und Owinu malkenu, wir sagten auch mehrere Monate hindurch täglich von Tagesanbruch Selichoth. Am selben Tage erhielten die Abgesandten der Vorsteher — gegen den Willen unserer Feinde — die Erlaubnis von hier abzureisen, bei ihrer Abreise hörte man unser lautes Weinen, der Rabbiner unserer Gemeinde erlaubte ihnen sogar am Sabbat zu reisen, jedoch blieben sie über Sabbat in der Stadt Tabor aus Furcht vor den Soldaten, die auf Veranlassung unserer Feinde dort herumstreiften und wegen anderer Gründe, um die Reisebeschwerden zu verringern. Am 22. d. M. (27. Dezember) begannen wir unsere Gebrauchsgegenstände zu verkaufen, alles, was uns die Räuber übriggelassen und wir verkauften solange, bis alles, was wir hatten, verkauft war, von Silbergeräten bis zu den kleinen irdenen Geräten, selbst die Kinderbetten und das Stroh, reich und arm, alles um weniger als ein Drittel des Wertes. Immerwährend waren unsere Gassen voll von den Leuten der Stadt und vieler Städte und Dörfer, um unser ganzes Hab und Gut anzukaufen, und obwohl die Gemeidevorsteher hatten ausrufen und warnen lassen, man möge, Gott behüte, nicht an der Rettung verzweifeln, kümmerte man sich nicht darum, immer tönte die Stadt von den vielen Leuten, reichen und angesehenen und auch gemeinem Volk, die in unseren Gassen waren, man ging buchstäblich bis zu den Knöcheln in Lehm, Schmutz und Wasser, das durch sie entstanden war. Zu unserer früheren Wache kamen jetzt noch 40 Grenadiere. Am Montag, den 23. d. M. (28. Dezember) setzten wir einen Versöhnungstag an, nach allen Vorschriften mit Klage und schwerer Trauer. An diesem Tage kamen Leute aus den Dörfern, die sich in Kleidung und Sprache als Panduren verstellten; sie begannen zu plündern. Als man sie erkannte, wurden sie gefangen genommen und alles, was sie geraubt hatten, zurückgegeben. Am Donnerstag, den 26. (31. Dezember) fügten wir dem bisherigen Selichoth und Gebeten noch hinzu, daß wir mit allen Schulkindern zu den Gräbern unserer Lehrer, den großen Leuchten, die hier begraben sind, gingen, dort fasteten und beteten unter Tränen und bitteren Wehklagen, in den Bethäusern wurde an diesem Tage gefastet, mit Tauchbad und