Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 357)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0814-2645156- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
342 wollte, damit wir dies alles verlassen, unser Erbe dem Fremden, unsere Häuser anderen, würde man ihn verlachen. Ohne Fristerstreckung für den Abzug der Kinder Israel bei großer Kälte und starkem Froste, wie sie seit vielen Geschlechtern nicht gewesen, dazu kam noch das Unglück, daß alle Länder verschlossen waren für Ein- und Auswanderer aus Furcht vor den Truppen und dem flammenden Schwerte, das heftige Kämpfe überall hinwälzte. Am Abend des heiligen Sabbat, des 21. d. M. (26. Dezember), wurde dieses Verhängnis in allen unseren Synagogen vom Richter der Altstadt verkündet und auf ihrem Rathaus hängten sie Zettel aus, auf denen es ausgeschrieben war. Am Freitag, den 27. d. M. (1. Januar 1745) verlangten die städtischen Behörden, daß jeder Jude angebe (schriftlich), wie groß seine Familie sei und wohin er ziehen wolle, darum hielten wir fest an dem Handwerke unserer Väter in allen Ländern;53) wo das Wort der Kaiserin und ihr Gesetz hinkamwar große Trauer bei den Juden, Fasten und Weinen und schwere Klage. Hier in unserer Gemeinde taten wir noch viel mehr, mehrere Stunden vor Tagesanbruch standen wir auf, gingen ins Gotteshaus, dort ergossen wir unser Herz wie Wasser, das zur Erde fließt. Wir sagten Selichoth, fügten ein neues Gebet in das Achtzehngebet ein, sagten „Owinu malkenu", fasteten, weinten und wehklagten bitterlich. Es ist unmöglich, all dies einzeln anzuführen von der Gewalt und Eindringlichkeit unserer Gebete, einen Teil wirst du mit Gottes Hilfe weitersehen, aber das Ganze nicht, denn die Bogen würden nicht hinreichen. Unsere Gemeindevorsteher und die bedeutenden Einzelpersonen mit dem Rabbinate, versammelten sich ständig bei Tag und Nacht, um irgendeine Heilung für unsere Wunde zu finden auf natürlichem Wege, sie schickten verschiedene Bittschriften an mehrere Fürsten und große Herren, die als erste in der Regierung des Landes saßen, auch an einzelne vornehme Juden, Fürsten Israels in den einzelnen Ländern, die Macht, Einfluß und Namen am königlichen Hofe haben, für ihre in Not geratenen Brüder zu bitten und zu beten auch an den angesehenen Fürsten, Baron Aguilar genannt, ein Sefardi, der zur Zeit in Wien wohnt, auch wählten wir zwei Gemeindevorsteher, u. zw. den Gelehrten R. Wolf L. Sch., Gott behüte ihn, und noch einen Führer der Gemeinde und den Schreiber (Sekretär) unserer Gemeinde R. Sanwil Koref KZ und schickten sie nach Wien,54) weil sie weise und ange-