Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 355)
- Language
- German
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340 rechtlicher Herren geschah nichts. Weil wir aber ganz verarmt und außerstande waren, die gewaltigen Ausgaben von täglich 60 fl. außer Verpflegung für die Bewachung durch die Panduren zu bezahlen, so schickten wir diese weg, es kamen an ihre Stelle Ungarn als Wache. Am heiligen Sabbat, 1. d. M. (6. Dezember) kam Graf Breda mit einigen Vornehmen der Stadt zu uns, uns zu trösten und zu unserem Besten Vorsorge zu treffen, darum räumten wir die Häuser nicht auf, damit sie die Verwüstung sehen. Wir hörten hernach, daß sie nur gekommen waren, um zu sehen. Am nächsten Tage waren wir in großer Not, denn wir hörten das allgemeine Gerede, die Panduren würden wegziehen, vor ihrem Abzüge uns aber nochmals plündern, doch, gottlob, es geschah nicht. Man schickte uns 130 Reiter, die Nadit ward uns zur Wache, es herrschte aber gottlob Ruhe. Am 5. d. M. (10. Dezember) kam der Oberstburggraf Graf Schaffgotsch, der lange Zeit nicht hier gewesen war, der Vorsteher R. S. Frankl wartete ihm auf der Straße mitten in der Stadt auf, ohne Mantel, ohne Halstuch, ohne Hut, in einem zerrissenen Anzüge, verhüllt wie ein Trauernder und weinte vor ihm und erzählte ihm, was ihm zugestoßen sei, daß er um sein ganzes Vermögen gekommen und völlig verarmt sei und konnte ihm nicht genug erzählen von dem, was unserer Gemeinde zugestoßen. Am Sonntag, dem 15. d. M. (20. Dezember), wurde im Auftrage der Militärbehörden verkündet, daß jeder Jude, der irgend etwas von den Preußen gekauft habe, es ihnen bei sonstiger Strafe zurückbringen müsse. Am selben Tage erschrak das ganze Lager Israels vor dem Dröhnen einer sehr großen Kugel voll Schießpulver und Pech, die aus einem Keller in unserer Gemeinde hinter dem „Schuppen" geflogen kam. Sie schlug ein großes Loch durch die Mauer und zersprang in viele Stücke und beschädigte dabei einige in der Nähe stehende Frauen, ihre Gesichter wurden geschwärzt, wie der Boden eines Kochtopfes, eine Frau erschrak vor dem Getöse und wurde ohnmächtig; alle ihre Glieder schlugen gegeneinander, niemand wußte von wem dieses Böse gekommen war. Noch ein großes Unglück traf uns an diesem Tage, es kamen neue Abteilungen der Panduren an und wollten Hand an uns legen, auf große Intervention hin gaben sie uns 50 Mann zur Wache gegen hohe Bezahlung. Am selben Tage wurde den Armen unserer Gemeinde eine Spende von 620 fl. geschickt, von den Vornehmen Wiens, Preßburgs, Eisen-