Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 352)
- Language
- German
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337 zertreten, in den Tempel Gottes gaben sie schauerliche Greuel und besudelten ihn, die heiligen Gewänder der Thora zogen sie aus und machten daraus Säcke und Beutel. Weh uns, denn wir haben gesündigt, weh uns, daß solches in unseren Tagen geschah, wehe den Augen, die solches sahen. Nicht in ein, nein in hunderte Stücke zerschnitten sie sie und brachten sie überall hin zu unserer Schande und Schmach. Das ganze Pflaster der Gasse war bedeckt mit den heiligen Büchern, sie verklebten damit ihre Fenster. Thora, Thora, umgürte dich mit einem Sacke, wälze dich in Asche, eine einzigartige Trauer veranstaltete ich dir, fürwahr es ist mit Tinte und Tränen geschrieben und ein Buch als Klagerolle, doch hier ist nicht der Ort dafür. Kurz, sie machten alle unsere Gassen unsere Häuser, deh Tandelmarkt wie ein Netz, in dem keine Fische sind, sie begünstigten nicht die Reichen, sie erbarmten sich nicht der Ärmsten, auch in den Friedhof drangen sie ein und verwüsteten ihn, man hörte in unseren Gassen nichts als Raub, Bruch über Bruch, Wehe über Wehe, Klage und Geschrei, denn es gab kein Haus, in dem nicht ein Toter oder Verwundeter oder Blutiggeschlagener war, wo nicht Quälerei, Raub und Gewalt gewütet hatten. Unter den Betroffenen waren viele Gelehrte und Fromme, Weise und Schriftgelehrte, deren Blut wie Wasser vergossen wurde, diese Zeit traf das Verhängnis auch den hochgelehrten Rabi Samuel Levi, er möge lange leben. An ihm vergriffen sie sich und verwundeten ihn mit dem Schwerte, daß sein reines Blut in Strömen zu Boden floß. Er mußte sich viele Wochen heilen, bis er von seinen Wunden und Verletzungen genas. Gott möge seine Tage und Jahre verlängern, zu Thora und Größe wie in den früheren Jahren. Die Plünderung, Mord und Totschlag dauerten von Donnerstag mittags ununterbrochen bis Freitag nachts nach 8 Uhr, in dieser Nacht ließ Er uns im Finstern sitzen, wie die Ärmsten der Welt. Denn wir zündeten kein Licht an, damit wir nicht gesehen und unsere Verstecke bekannt werden, die ganze Zeit aßen und tranken wir nicht, der Schlaf war von uns gewichen, bis Gott vom Himmel herabblickte, unser Elend sah und sich erbarmte seines Volkes, der Schafe seiner Herde, die erschlagen oder geschlachtet wurden, ob der Heiligung seines Namens, gelobt sei er. Es kamen einzelne Führer der Panduren und setzten Wachen in unsere Gassen, was außerordentliche Kosten verursachte. Die Wächter 22