Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 351)
- Language
- German
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336 lind nahmen und zerstörten alles. Auch die heiligen Bücher — gedruckte und geschriebene, die mündliche und sclirif tliche Lehre — die unschätzbaren — erbeuteten und raubten sie, zerrissen sie, traten buchstäblich darauf herum, „der Stein aus der Mauer schreit auf und der Balken aus dem Holze antwortet ihm*'. Es wurden ihnen unter der Erde vergrabene Vorräte offenbar, wen sie auf der Straße oder im Hause trafen, den erschlugen sie oder quälten ihn mit schweren und bitteren Martern, einige hängten sie an den Füßen auf und zündeten unter ihnen Feuer an, einige schlugen sie mit Nägeln und Pflöcken durch die Hände an die Wand, andere peinigten sie mit brennenden Kerzen unter den Achselhöhlen, bis sie ihnen ihre Geheimnisse (Verstecke) offenbarten und ihnen gaben, was sie wollten. Die Soldaten nahmen und plünderten Silber und Gold und Bargeld, der Pöbel schadete uns aber mehr, denn sie zeigten ihnen den Weg, den sie gehen sollten, die Taten, die sie verbringen sollten. Wehe den Ohren, die ihre Worte an die Soldaten hörten: „Nehmet die Kinder der Hebräer, quält sie und tötet sie, damit ihre Eltern die Not ihrer Kinder sehen und euch geben, was ihr wollt." Sie raubten alle eisernen Bestände, alle Lebensmittel, die wir um teueres Geld erworben hatten, für die Kriegszeit, selbst den Nagel in der Wand, was sie nicht mitnehmen konnten, verwüsteten sie mutwillig, sie zerstörten und zerbrachen Türen, Fenster, Öfen, Tische, Kästen, Betten; die Polster zerschnitten sie, schütteten die Federn heraus und vermengten sie mit Mehl und öl, um sie zu verderben, in den Kellern zerbrachen sie die Fässer, daß sie einige Ellen in Wein und Bier wateten, weil eben ihre Absicht nur war, uns zugrunde zu richten. Der letzte Schlag war der ärgste, „darob weine und klage ich bitterlich44 über den Altar Gottes, die Häuser des Heiligtums, unsere Synagogen, hoch und prächtig gebaut, sodaß alle sich hinwenden, kaum gibts innerhalb der ganzen weitzerstreuten Verbannimg ihresgleichen, besonders die berühmte Pinkassynagoge, dort zerstörten sie das Emporium und wühlten sie auf bis auf den Grund, wie eine umgestülpte Schüssel, der Feind streckte seine Hand aus nach allen Kostbarkeiten, den Schätzen Israels, die Thorarollen, die Wonne unseres Herzens, das Labsal unserer Seele, ihrer bemächtigten sich die Hände der Frevler, zerrissen sie in viele Stücke, schleiften sie auf der Erde und traten darauf herum, wie man auf Lehm herumtritt. So wurde das Heilige von ihren Füßen