Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 349)
- Language
- German
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334 Wächter in unseren Gassen aufzustellen. Auf vieles Drängen waren sie uns scheinbar zu Willen, aber ihr Herz war nicht dabei. Mittwoch nachts vom 20. auf den 21. d. M. (26./27. November) wurden uns die Leuchten genommen, verschlossen die Augen Israels, zu finster wurden unsere Augen, um zu sehen, denn Auge in Auge sahen wir das Geschick, das uns widerfahren sollte, es wich der Schlaf von den Augen aller Juden, um einzutreten für unser Leben, zu beten zu dem, der erhört in der Zeit der Not, Psalmen wollen wir erschallen lassen zum Fels unseres Heiles; wir hielten Nachtwachen Thora zu lernen, in allen unseren Gassen wurde buchstäblich kein anderer Laut gehört als die Stimme Jakobs, Thora und Aboda, das ist Gebet. Die Gemeindevorsteher wachten in dieser Nacht in unserem Gemeindehause, um über die Sachlage zu beraten und die Gemeindeangelegenheiten zu besorgen. Den Eichter der Altstadt und den Kustiner (?) und ihre Schergen nahmen sie mit, um den Pöbel einzuschüchtern; diese aßen und tranken auf unsere Kosten, erzählten die ganze Nacht und lachten über uns. 2 Stunden nach Mitternacht zogen fast alle preußischen Truppen ab, in unseren Gassen blieb auch nicht ein Mann als Wache zurück, sofort lösten 40 Mann von den Bürgern die Wache ab, sie, die die Stadt hüten sollten, sie aber zerstören; wir hatten für kurze Zeit eitlen Trost. Am nächsten Tage, am Donnerstag, den 21. Kislev 505 (27. November 1744), frühmorgens am Tage unseres Fastens hörten wir, daß die Husaren und Panduren bereits auf Schiffen bei den Furten hinter der großen Brücke den Fluß überschritten hätten, um in die Stadt zu kommen, da blieb in niemand der Mut, als wir das ununterbrochene Getöse der starken Schüsse hörten, wir wußten nicht, was das bedeutete, bis wir nachher hörten, daß die preußischen Truppen, die sich hier aufgehalten hatten, über die große Brücke auf die Kleinseite zogen, die Husaren ihnen nachsetzten und die Preußen sie beschossen und mehr als 200 Mann von ihnen töteten, wobei auch ihr Führer fiel. Da schrien die Husaren zu den Bewohnern der Kleinseite, sie mögen ihnen zu Hilfe kommen und aus den Fenstern schießen und große Steine werfen, die Preußen schössen auch auf diese, es fielen auf beiden Seiten viele, die Juden flohen alle in ihre Häuser, es blieb keiner auf der Straße, die Tore unserer Gassen wurden geschlossen, ebenso die Haustüren und Fenster; wir sicherten sie mit Balken, Brettern, Riegeln und großen Bünden vieler