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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 345

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 345)
Language
German
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IRI
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330 auf, denn es war außer diesen zehn kein einziger Soldat in der Stadt. Erst am nächsten Tage kamen 150 Mann, lauter gewaltige Krieger, auf den Tandelmarkt. Am Freitag, den 12. (18 September) füllte sich vor Tagesanbruch die ganze Stadt mit schwerem Kriegsvolk und unzähligen Reitern und Fuhrwerkern, Dragonern, Grenadieren, Kürassiere genannt, lauter Männer von hohem Wüchse, angetan mit verschiedenen Kleidungen in allerlei Farben mit ihren Feldherrn. Drei Tage ununterbrochen kamen die Tore nicht zur Ruhe, mehr als zwanzigtausend Wagen beladen mit allem Guten, ihrem Vermögen und Besitze. Sofort setzten sie Wachen an alle Straßenköpfe und Winkel der ganzen Stadt, am Roßmarkt39) stellten sie 32 große Geschütze auf und 16 Feuermörser, wer sie sah, dem standen die Haare am Kopfe zu Berge. Obwohl die Truppen dicht gedrängt standen, gingen wir doch zwischen ihnen einher, ohne daß jemand den Mund öffnete. Auf dem Markte der Altstadt stellten sie 3 Feldstücke und 4 gedeckte Wagen mit Schießpulver auf, vor dem Korntor errichteten sie ihr Lager. Am selben Tage zogen nach den Bestimmungen des Akkord 15.000 Mann, die von Anfang an hier gewesen waren, weg, nachmittags kam der König selbst, er nahm Wohnung am königlichen Hofe auf der Kleinseite, Graf Batthiany stand damals mit seinem Heere in der Gegend von Lochowitz; es erstreckte sich bis Königsaal, d. i. Zbraslav, eine Meile von hier, sobald der hörte, daß Prag erobert worden sei, zog er gegen Budweis und eroberte es. Am heiligen Sabbat, dem 13. d. M. (19. September), zogen die preußischen Truppen von hier in die Provinz, sie kamen bis Tabor und eroberten es, indem sie es auf Leitern erstiegen, es ward zur Beute und Plünderung, dort tobte ein schwerer Kampf zwischen ihnen. Hier in der Stadt ließen sie nur eine geringe Mannschaft zurück, alle Tore der Stadt standen offen, trotzdem wurden keine Lebensmittel gebracht, sodaß die Preise stiegen. Von Fischen hatten wir keinen Bissen weder am Sabbat, noch am Feste, wir hatten nicht mehr als 14 Eßrogim und Lulowim, die Frauen kamen noch nicht in die Synagoge und nahmen auch den Lulaw nicht zur Hand, damit sie durch die vielen Berührungen nicht unbrauchbar würden. Bei alledem lebten wir mit Gottes Hilfe am Laubhüttenfeste in Frieden, an diesem Tage wurde den Stadtbewohnern verboten, Schwerter zu tragen, und befohlen, für die Erlaubnis, die Uhren schlagen zu lassen,

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