Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 344)
- Language
- German
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329 Drangsal hatten mitmachen müssen, es fehlte niemand von ihnen. Donnerstag, den 11. d. M. (17. September), dem Tage zürne ich, er ist ein Tag des Leides und des Fluches, der sich ganz besonders hervorhebt unter den vielen Leidenstagen, das ganze Haus Israel beweine den Brand, in dem die zwei Löwen das versprengte Lamm Israel verbrannt haben. Es hatten sich nämlich Niederträchtige — Tunichtgute und Plünderer zusammengetan und Jakob ward zur Beute, Israel den Plünderern in unserem Tandelmarkt und in unseren Gassen. Sie erbrachen die Türen mit Äxten und Beilen und plünderten alle "Waren, auch die eisernen Bestände, was sie nicht rauben konnten, vernichteten sie mutwillig, sie zerstörten Öfen, Fenster, Stühle und Polster, sie brachen in die Altschul ein und raubten, was sie dort fanden, auch an zwei Thorarollen, dieser Kostbarkeit Israels vergriffen sich die Hände der Frevler, sie nahmen sie, sie schlugen mit dem Schwerte und schössen und töteten einige Juden, unbegrenzt sei meine Klage, bis herabschaut Gott vom Himmel und rächt die Bache seiner Knechte. Weil in der vorangegangenen Nacht alle Soldaten, auf deren Wache in unseren Gassen wir vertraut hatten, gegen alle Billigkeit weggegangen und nicht einer von ihnen zurückgeblieben war, was weder bei der ersten Eroberung der Stadt durch die Franzosen noch bei der zweiten durch Österreich geschehen war, vielmehr sofort, wie die Wache weggegangen war, war die neue gekommen. Wäre nicht Gott mit uns gewesen, wir wären alle dahin, mit eigenen Augen sahen wir die besondere Sorgfalt Gottes für uns, denn damals waren noch keinerlei Truppen in die Stadt gekommen und wie außerhalb der Stadt die schwere Bedrängnis unserer Gemeinde bekannt wurde, schickte man 10 Mann von ihren gewaltigen Grenadieren, sie eilten in wunderbarem Laufe mit gezückten Schwertern, wer sie sah, den befiel Furcht und Schrecken, sie traten auf gegen die, die uns nach dem Leben trachteten, sie nahmen Mörder und Räuber gefangen.38) Am nächsten Tage wurden die Erschlagenen in erwählten Gräbern unter großen Ehren nach Gesetz und Recht bestattet. Gott räche ihr Blut, ihre Seelen seien eingebunden im Bunde des Lebens und verzeichnet auf dem Vorhang vor ihm. Jenen ganzen Tag waren wir in unseren Häusern eingeschlossen, niemand konnte ein und aus, die Tore in unseren Gassen waren versperrt, die ganze Nacht mußten wir wachen, wir stellten Nachtwachen