Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 343)
- Language
- German
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328 sie erschwerten uns noch das Joch, indem sie noch die Stellung weiterer 200 Mann forderten, die meisten Gemeindemitglieder kamen an diesem höchsten auserwählten Tage nicht in die Synagoge, man versammelte sich zum Gebete mit Minjan in Privathäusern,37) Frauen kamen überhaupt nicht zur Synagoge, viele wackere Frauen versammelten sich auf dem Friedhofe an den Orten, wo einzelne Fenster der Synagoge sind, verhüllt wie Trauernde saßen sie auf der Erde, um mit der Gemeinde zu beten. Das Kolnidre und Abendgebet wurde in Verwirrung gebetet, ebenso am nächsten Tage, denn man hatte wiederum noch viel mehr Leute zur Arbeit befohlen und unser Gebet war in Unruhe und Verwirrung, den ganzen Tag liefen wir in den Straßen hin und her, denn unser Herz war verzagt, wir wußten nicht, was das Ende sein werde, alle Türen der jüdischen Häuser blieben verschlossen, wir beendeten das Neilagebet einige Stunden vor Nacht, der Gemeindevorsteher, der gelehrte R. Wolf L. Sch. wurde am selben Tage gefangen genommen, weil er angeblich lässig gewesen sei, sie (die Juden) zu den Zwangsarbeiten zu schicken. Um unserer Sünden willen kamen um, strauchelten viele bei der schweren Arbeit auf den Schanzen. Am selben Tage schickten sie uns die 12.000 fl., die wir ihnen geliehen hatten. Die Preußen wurden von Tag zu Tag stärker und kamen schon fast bis in die Stadt, doch obwohl sie schon 2 Tore zerstört und freigelegt hatten, wollten sie nicht in die Stadt eindringen, bevor ihnen nicht die Kleinseite und die oben erwähnten zwei Festungen übergeben worden waren, weil sie sich vor den Österreichern fürchteten, falls sie an diesen Plätzen zurück blieben, entweder weil sie stark befestigt und hoch gebaut waren, oder, weil sie dann „das Seil von beiden Enden halten" würden, während sie selbst in der Mitte wären. Einige Tage und Nächte dauerten die Beratungen der beiderseitigen Feldherren, ohne daß man zu einem Abschlüsse und Vergleiche kommen konnte. Erst am Ausgange des Versöhnungstages hörte man, daß es zu einem Vertrage auf Ubergabe der Stadt mit allen Festungen unter den Bedingungen und Modalitäten des sogenannten Akkord gekommen sei. Er wurde vom Grafen Schwerin und Grafen Harsch gefertigt In derselben Nacht zog ein Teil der preußischen Truppen in die Festung Vysehrad, am letzten Tage in der Früh kamen alle unsere Gemeindemitglieder von den ßchanzen und Toren zurück, nachdem sie soviel Leiden und