Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 342)
- Language
- German
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327 Altstadt entschlossen seien, die Stadt zu übergeben, beschlossen sie, sich auf die Kleinseite und die dortige Festung, auf die Festung Vysehard zurückzuziehen, um von dort die Preußen zu bekämpfen, falls sie in die Neu- und Altstadt kämen. Sie nahmen alle Soldaten mit und die Geschütze und Brandgeräte und alle Arten Lebensmittel. In unsere Gassen schickten sie 10 Reiter, ihnen Blei und Pech zu liefern,36) und Branntwein und Leinwand. Jeder von ihnen bekam außer Speise und Trank täglich 2 fl., sie rührten sich nicht weg, bis man ihnen alles nach Wunsch gegeben. Die erwähnten zwei Festungen befestigten sie sehr stark und auf der Brücke bauten sie Batterien und Häuser aus Balken auf Rädern, deutsch Blockhäuser genannt, in der Mitte rissen sie in der Länge einiger Ellen die ganze Breite auf und legten Bretter hin, darüber zu gehen. Als die preußischen Führer von all den Absichten und Handlungen hörten, wendeten sie sich zu den Lorenzbergen, die gerade gegenüber der Stadt und Festung liegen; in der Nähe dieses Gipfels erbauten sie einen Wall und von dort schössen sie und zerstörten einige Häuser. Darum willigte man ein, sich mit den preußischen Feldherren wegen der Übergabe der Stadt ins Einvernehmen zu setzen, nach den Bedingungen und näheren Umständen des „Akkord", wie es deutsch heißt. Da gingen die 3 Stadthauptleute der Städte am Montag, den 8. Tischri (14. September) hin und blieben daselbst bis 10 Uhr des nächsten Tages; während dieser Zeit wurde überhaupt nicht geschossen. Man kam aber zu keiner Einigimg, weil das preußische Heer die Übergabe der ganzen Stadt und Befestigungen forderte; da kehrten die drei Stadthauptleute betrübt zurück. Von diesem Tage an begannen sie wieder aus 20 großen Geschützen in der Nähe der Stadt zu schießen. Es wurden mehrere große Häuser und Straßen so zerstört, daß die Gassen dadurch ganz verändert wurden, alle Häuser wurden zu Steinhaufen und wüsten Trümmerfeldern. Nachmittag dieses Tages wurden zwei weiße Fahnen auf zwei hohen Türmen aufgezogen, zum Zeichen, daß man Frieden schließen wolle; darauf hörte das Schießen auf, nach zwei Stunden begann es aber wieder, weil sie damit nicht einverstanden waren. Dies trug sich zu am Küsttage des Versöhnungstages, unseres höchsten Festtages, der so vom Fest zur Trauer verwandelt wurde. Kein Jude wich an diesem heiligen Tage von der schweren Arbeit, ja