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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 341

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 341)
Language
German
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IRI
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326 hatten. Von den Juden schlief keiner in dieser Nacht, tausende Feuerfunken flogen mitten in die Stadt, auch am nächsten Tage, dem Büsttage des Neujahrs 505 der kleinen Zählung (6. September 1744) hörte das Getöse der starken Schüsse nicht auf, getrübt ward unsere Freude, unser heiliges Fest. In dieser Nacht war großer Schrecken im Lager der Hebräer, weil viele Husaren und Panduren kamen und mit Gewalt die Juden zur Schanzarbeit und zum Feuerlöschen nahmen. Der Kampf tobte besonders stark in der Nähe der Festung Vysehrad und rings um den Weißen Berg, sie schössen mehrere hundert große Kugeln hin, aber sie konnten keinen Schaden anrichten, ebenso am nächsten Tage, doch hörte man, daß viele gefallen seien. Am Ausgange des Neujahrsfestes (8. September) entstanden mehrere große Brände auf der Neustadt, es war einige Tage lang unmöglich, sie zu löschen. In der Nacht des 4. Tischri (10. September) stellten sie noch einige Batterien beim Neutor und beim Sandtor auf. Sie kamen bis zum Orte Wosterhof34) im Bereiche der Stadt und von da schössen sie eine große Kugel zu uns; es entstand ein großer Brand, der ein großes Haus einäscherte. Am Sabbat Schuwah35) schwand die Freude unseres Herzens, denn obwohl schon Leute von uns zur Arbeit gegangen waren, befahl man uns am Sabbat selbst noch 2000 Mann zur Arbeit an der Zitadelle am 2izkaberg zu schicken; wir waren in großer Not und obwohl die Gemeindevorsteher beim Stadthauptmann Grafen Harsch und den anderen Vornehmen hin und her liefen, kehrten sie betrübten Herzens zurück. In dem Momente, wo sie den Befehl ausführen wollten, bevor es noch zur Ausführung kam, verbreitete sich das Gerücht, die Preußen hätten schon die Festung am Zizkaberg eingenommen. Die Truppen seien von dort unter Zurücklassung aller Kriegsgeräte und sehr viel Pulver geflohen; wer nicht geflohen sei, wäre kriegsgefangen geworden. Von da ab war Lieben ihr Hauptlagerplatz, den ganzen Sabbat hörte das Schießen nicht auf, sie warfen tausende Kugeln in die Neustadt, viele große Häuser brannten nieder, Soldaten gingen in Straßen und Häusern herum, das Feuer zu löschen. An diesem Sabbat gingen wir aus Furcht nicht in die Synagoge. Als der Feldherr, der Stadtkommandant und alle Führer erkannten, was ihnen zugestoßen sei, daß sie sich weder nach links noch nach rechts wenden konnten und die Bürger der

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