Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 340)
- Language
- German
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325 Gemeinde eingesetzt, „Viertelhauptleute44 genannt; auf ihren Befehl mußten die Juden nach dem Lose zu diesen schweren Arbeiten gehen. Am Donnerstag, den 26. d. M. (4. September) kam ein Abgesandter mit Trompete mit verbundenen Augen zum General Harsch und ermahnte ihn, die Stadt gutwillig zu übergeben, aber er antwortete ihm nicht, verhärtete sein Herz und befahl, gegen sie zu kämpfen und sie zu beschießen. In der Nacht darauf wurden alle Häuser und Gärten außerhalb der Stadt, rings um die drei Flüsse niedergebrannt, damit sie den preußischen Heeren kein Versteck oder Schlupfwinkel bieten, drei Nächte hatten sie mit diesen Brandstiftungen zu tun. Am nächsten Tage schickten sie eine Exekution von Reitern — zu deutsch Dragonern —, obwohl noch die erste Exekution in unseren Straßen war; auch in das Haus des Vorstehers R. S. Frenkels schickten sie einige Reiter, um zu erzwingen, ihnen 12.000 fl. zu borgen,33) und ihnen alles unentgeltlich zu liefern, was sie von den Franzosen gekauft hatten. Wer die Sachen schon verkauft hatte, sollte dafür Geld geben, an diesem Tage traf uns viel Bedrängnis und Unglück, die Soldaten streiften umher, schlugen die Juden und nahmen, was ihnen begegnete, weg. Lebensmittel gab es absolut nicht zu kaufen, weder am Wochentage, noch für den Sabbat, noch für das Neujahrsfest und die Feiertage, geschweige denn Fische. In der Nacht des heiligen Sabbath kam eine andere Gruppe Husaren, um zu erzwingen, daß die Juden sofort zu ihrer Arbeit kommen und so geschah es auch. Am nächsten Tage, dem heiligen Sabbate, kam ein Bote mit Trompete und ermahnte zum zweitenmale zur Übergabe der Stadt. General Harsch beachtete ihre Worte nicht und sagte, sie sollten ihn nicht mehr auffordern, denn sie würden nichts damit bezwecken, trotzdem die Bürger mit ihren Frauen und Kindern weinend zu ihm gekommen waren, er möge die Stadt übergeben, weil es völlig an der Kraft fehle, es weiter zu ertragen. Er erwiderte ihnen, wenn sie nicht standhalten würden im Kampfe gegen den Feind, werde er selbst mit all seinen Truppen auf den auf dem Berge gelegenen Hradschin ziehen und von dort mit großen Geschützen die Stadt für alle Zeiten zu einem Trümmerhaufen zusammenschießen. In der Nacht des Sabbathausganges herrschte so große Verwirrung und Bestürzung wie noch nie, denn man schoß unaufhörlich mit großer Gewalt aus einigen Batterien, die sie vor dem Neutor