Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 339)
- Language
- German
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324 Stadtbewohner. Von da ab stiegen die Preise, alle Greislereien und Läden blieben geschlossen, weil sie keine Lebensmittel hatten, selbst bei angestrengtem Suchen fand man keine Lebensmittel zu kaufen; die Soldaten streiften auf den Märkten und Straßen herum und nahmen das Brot mit Gewalt. Am Mittwoch, den 18. (27. August) kam das preußische Herr bis 5 Meilen vor Prag, von da an wurde die Stadt geschlossen, auf den Brücken und bei den Toren wurden viele Palissaden und Faschinen errichtet. Die Landleute hörten auf, Lebensmittel zu bringen, weil ihnen die Pferde zur Arbeit weggenommen worden waren, auch hörte man nicht mehr die Glocken und Uhren. Vom Fürsten Karl Lothringen kamen einige Kuriere, daß er bald mit einem großen Heere komme, viele Hundert Wagen und Pulver und sonstige Geräte des Verderbens wurden hierher gebracht, darum durfte auch niemand mit einem Lichte gehen und wir stellten auf den Böden und Dächern Wasser auf. Am Montag, den 23. (1. September) wurde die Furcht vor den Heeren, die schon nahe dem Bereiche der Stadt waren, sehr groß, und darum wurden außer den mehreren Hundert Juden, die ständig auf den Schanzen waren, noch andere angefordert, sie gingen durch unsere Gassen, packten jeden Juden, den sie trafen, am Rock und schickten ihn hin. Am selben Tage kam eine Truppe vom Lager der Preußen bis nahe an die Stadt und vertrieb die dort beschäftigten Juden, die in die Stadt flohen; von dem Tage hörten die Schüsse aus den sechs großen Geschützen, die am vergangenen Sabbat hierhergebracht und am Zizkaberg, gegenüber dem preußischen Lager aufgestellt worden waren, nicht mehr auf, unsere Gemeindemitglieder hatten dort ihre Arbeit zu verrichten. Um Mitternacht des Mittwoch, den 23. d. M. (3. September) war hier große Wehklage, denn man hörte außerhalb der Stadt unaufhörlich starke Schüsse, auch den Schall vieler Trommeln. Sie versuchten auf Leitern das Roßtor auf der Neustadt zu ersteigen und wurden nur mit großer Mühe vertrieben, sie warfen große Kugeln voll Pulver und Pech in die Stadt und wir schickten einige Hundert Mann aus unserer Gemeinde, die Brände löschen. Von da ab blieben die Augen der Kinder Israel geschlossen wegen der schweren Arbeit, bei Nacht Wache, dazu noch ungeheuere Ausgaben und immer schickten sie gleich Husaren als Exekution in unsere Gassen, um uns zu zwingen, Leute zur Arbeit zu schicken, damals wurden auch Beamte über jede Gasse in unserer