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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 338

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 338)
Language
German
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323 stört werden sollte. Der eine meinte, dieses, der andere jenes, die Stadt Prag aber war traurig. Am Mittwoch, dem Neumond Elul des Jahres 1744 (9. August), wurde das Gerücht immer stärker, auch alle Briefe, die mit der Post kamen, besagten einstimmig, daß ein Heer von 80.000 Mann gegen Prag ziehe, der König selbst sei bei dem Heere und die Heerführer Herzog Leopold von Anhalt-Dessau, Herzog Ferdinand von Braunschweig, Graf Truchseß, Graf Hacke, der Markgraf von Bayreuth, Graf Posadowsky, Fürst Ludwig von Darmstadt, der Graf Schwerin, alle kämen sie hieher mit großen Geschützen, Artillerie, Kartaunen, Mörser genannt, in sehr großer Zahl; er sei schon von seiner Residenz Potsdam aufgebrochen. Am 11. und 38. August zogen sie durch die Stadt Leipzig, hier herrschte große Bestürzung und aus Furcht, die Stadt könnte belagert werden, bereitete sich jeder Nahrungsmittel vor; lange Zeit kam die Stadt nicht zur Ruhe vor den Wagen, die Getreide und Lebensmittel brachten, weil in diesem Jahre das Getreide so billig geworden war, daß ein Strich Kornmehl um 2V2 Gulden verkauft wurde. Auch in alle Lebensmittelhäuser, Magazine genannt, wurde sehr viel gebracht. Am 5. Ellul (14. August) fasteten wir, sagten Selichoth und Tehillim; an diesem Tage kam aus Wien der Feldherr Graf Harsch, der von der Kaiserin zum Kommandanten in der Stadt Niemes (?) während der Preußenkämpfe, die dort waren, ernannt worden war. Es kamen zahlreiche Truppen aus Ungarn nach Österreich, abgesehen von den 10.000 Mann dieser Provinz, der sogenannten Landmiliz; auch General Festetics kam mit 6000 Reitern von Bayern und lagerte vor der Stadt. Am selben Tage wurden 5 preußische Spione gefangen genommen und hieher gebracht. Es waren die ersten, die wir sahen. Am nächsten Tage, dem 6. d. M., befahl der obenerwähnte General, daß die Bewohner Wälle aufschütten und Schanzen bauen, auch 120 Juden mußten dies täglich tun, hätten die Gemeindevorsteher sich nicht bis Mitternacht des heiligen Sabbats außerordentlich bemüht, wäre auch der Sabbat entweiht worden. Am 8. d. M, (17. August) wurde in unserer Gemeinde wiederum eingeführt, daß täglich 18 durch das Los Bestimmte fasten und dann in der Altneuschul Selichoth sagen sollten. Am selben Tage verließen alle Soldaten die Wachthäuser und bezogen die Tore und die hohen Berge; an ihre Stelle kamen

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