Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 335)
- Language
- German
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320 Am Sabbat Ausgang, den 2. Tebeth 503 (29. Dezember 1742) zogen die Franzosen durch das Vysehrader Tor ab und der österreichische Feldherr Piccolomini kam mit einigen Hundert Soldaten und übernahm die Festung; auf den Rathäusern wurde ausgerufen, daß zwischen den Bürgern und den Franzosen keine Streitigkeiten sein sollten, wenn die Franzosen den Bürgern etwas schulden, so solle man zu ihrem Befehlshaber Monsieur Cheveret gehen, der es bezahlen werde. Wenn das österreichische Volk in die Stadt komme, solle man ihnen Zimmer geben; die Franzosen waren noch auf der Wache in der Stadt. Am Sonntag, den 3. Tebeth (30. Dezember) kamen auf der zugefrorenen Moldau etwa 20 Panduren in die Judengasse und raubten und plünderten in einzelnen Häusern der Juden. Da kamen die Franzosen von der Wache und brachten sie aus der Stadt hinaus zum österreichischen Heer, damit die Führer sie bestrafen. Die Gemeindevorsteher reisten nach Königsaal, eine Meile weit von hier zu den vornehmen Führern, den österreischischen Feldherren, um sich für unsere Gemeinde zu verwenden und Gott gab ihnen Gunst in den Augen der angesehenen Führer und Fürsten, unter ihnen titul. Fürst Lobkowitz, seine Herrlichkeit werde erhöht, so daß sie ihnen versicherten, ein offenes Auge auf unsere Gemeinde zu haben. Sie kamen dann zurück; die Führer handelten auch so und schickten eine halbe Kompagnie österreichischer Soldaten in die Judenstadt mit dem Auftrage, gut auf die Juden acht zu haben. Am Mittwoch, den 6. Tebeth 503 (2. Januar 3743) ritt der Feldherr Fürst Lobkowitz in eigener Person mit den anderen angesehenen Fürsten, ihre Herrlichkeit werde erhöht, und einigen Tausend Österreichern unter Musik und Reigen in alle drei Städte ein. Wenn alle Meere Tinte wären, wäre es unmöglich, die große Freude der Bewohner zu beschreiben, von vielen Häusern hörte man Musikinstrumente und Trompeten. Viele Tausende standen auf den Gassen und riefen zusammen: „Es lebe unser Herr, die Kaiserin Maria Theresia44. Die Franzosen gingen mit großer Schmach aus der Stadt in ihre Heimat zurück, sie übergaben den österreichischen Befehlshabern Hunderte großer Geschütze und Kriegsgeräte in gewaltigem Werte und ließen einige angesehene französische Führer in Prag als Pfand zurück, daß sie die mehreren Hunderttausende zahlen würden, die sie von den Bewohnern der Stadt als Darlehen genom-