Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 334)
- Language
- German
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319 hohen Geistlichkeit mit,28) auch darüber staunte man allgemein und fragte, warum ist unterschieden diese Nacht, daß sie in bitterer Kälte wegziehen. Wir wußten, daß Feldherr Fürst Lobkowitz 3 Meilen von hier in der Nähe der Stadt Brandeis mit 3000 Mann ausgewählter österreichischer Truppen lagerte, bereit zu friedlicher Verhandlung oder zum Kampfe. In Prag hatten die Franzosen nur etwa 3000 Mann — davon die Hälfte Kranke unter Anführung Cheverts zurückgelassen.29) Die Gesunden zogen zum Vysehrad und Hradschin und stellten in der Mitte der Brücke zwei große Geschütze auf. Sie nahmen alle Schiffe von der Moldau weg und hielten die Tore einige Tage für alle Bewohner fest verschlossen, daß niemand ein und aus konnte; auch verlangten sie in dieser Zeit ein Darlehen von 100.000 Gulden von den Juden gegen ihre Wechsel. Sie schickten binnen 24 Stunden hunderte Soldaten als Exekution, wie sie es immer tun und man einigte sich und borgte ihnen 50.000 Gulden; der Betrag wurde bald durch Kaufleute in Dresden nach dem Wortlaut des Wechsels bezahlt. Am 24. d. M. (23. Dezember) wurde auf dem Rathause eine Warnung verlautbart, man müsse die französischen Münzen im Handel annehmen, wie es schon früher verlautbart worden war, weiters solle, wer immer etwas von den Franzosen gekauft habe, oder von ihnen in Aufbewahrung habe, es binnen 24 Stunden dem Befehlshaber melden, ohne etwas zu verheimlichen und wenn jemand eine Schuld bei einem Franzosen habe, werde ihm der Befehlshaber das Geld geben und ihm bezahlen, damit die Bewohner sich nicht gegen die Besatzung auflehnen, auch sollte man bei hoher Strafe nicht nach 8 Uhr auf die Straße gehen. Am Sonntag, den 24. Kislew (23. Dezember) befahlen die französischen Herren, daß die Juden ihnen hunderte Faß Salz auf den VySehrad liefern sollten, in das Haus, in dem man die Lebensmittel aufbewahrte, das Magazin für die Soldaten; auch sollten einige hundert Juden mit einigen Hundert Nichtjuden auf der Moldau, die des großen Frostes wegen zugefroren war, das Eis mit Äxten aufhacken, wie sie es im Vorjahre getan hatten, damit das österreichische Heer nicht über den Fluß in die Stadt kommen könne. Nach einigen Tagen entstand ein Gerücht, das nicht mehr verstummte, die Stimme der Wonne und der Freude, daß die Heerführer von Österreich und Frankreich sich geeinigt haben, und so war es auch, gottlob.