Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 333)
- Language
- German
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318 Furcht und Bangen vor seinem Heere in der Nähe der Stadt gehen durften. Da staunte die ganze Stadt über das Wunder und die große Ehrung seitens der angesehenen Fürsten. Am Montag, den 15. d. M. (13. November) zog R. Isafe: Austerlitz mit seiner Frau und Kindern und Verwandten nachmittags in großen Ehren auf einem Wagen von Prag ab, dem Frieden entgegen. Am Neumond Kislew 503 (29. November) kam das österreichische Heer nach dem Orte Leitmeritz, wo schon lange Zeit ungefähr 1000 Franzosen waren und die Stadtmauern und Gruben und Graben und Holzbauten, die man Palissaden nennt, buchstäblich wie eine große Festimg ausgebaut hatten; die Stadt wurde mit Gewalt von den Husaren und Panduren genommen, die mit Leitern die Mauern berannten, mit großen und kleinen Geschützen. Es waren mehrere tausend Strich Korn, Gerste, Erbsen, Reis und HirsQ darin. Die Franzosen wurden darin als Gefangene behandelt. Am 10. Kislew (8. Dezember) wurde wie gewöhnlich im Auftrag der französischen Herren auf dem Altetädter Rathaus ausgerufen, daß nach 8 Uhr abends niemand auf die Gasse gehen dürfe und, falls man mit Trommeln zum Kampfe ziehen sollte, jeder eine Laterne mit einem brennenden Lichte vor das Fenster hängen, aber nicht zur Türe hinausgehen, um zu sehen, was geschehen sei und warum man mit Trommeln ausziehe; auch solle jeder in seinem Hause auf dem Dachboden Wasser bereit halten und in der Nacht, nachdem das Zeichen mit den Trommeln, das man Zapfenstreich nennt, gegeben worden sei, müßten alle Trinkhäuser geschlossen werden, alles bei Todesstrafe. Am 19. Kislew (18. Dezember) von Mittag ab die ganze Nacht hindurch zogen die Führer, duc de Belle Isle und Intendant Sechelles mit den anderen Führern und ungefähr 15.000 Franzosen — einige von ihnen waren Bayern — mit wenigen Pferden und Reitern und Wagen mit all ihrem Besitz und einigen kleinen Geschützen, die man Feldstück nennt, in großer Angst und Verwirrung, traurig und verzagt, einige unter bitteren Tränen aus der Stadt Prag. Auch die Juden Berchen Metz und Löb Kohen ritten mit einigen Verwandten voll Schmerz und Kummer mit ihnen. Die anderen Juden gingen zu Fuß. Einer rief dem anderen zu, „warum laufen wir so eilig aus der Stadtt". Sie zogen zum Hradschin-Tor die Straße nach Pilsen, sie nahmen einige vom Adel und der