Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 332)
- Language
- German
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317 wiesen, daß die Gemeindemitglieder schon mehr als 300.000 fl. in Bargeld, abgesehen von Geldwerten und vielen tausenden Exekutionsgeldern, abgeliefert hätten, so daß ihnen kein Bargeld mehr geblieben sei, nur einige Waren, Hausgeräte und Außenstände bei den Bürgern, die jetzt nicht einzutreiben seien; mit demütigen Bitten erklärten sie, es sei jetzt unmöglich dieses Darlehen zu gewähren. Er antwortete ihnen, er könne in dieser Sache nichts tun, sie möchten zu Tatin gehen. Als sie weinend und bittend zu diesem kamen, fuhr er sie barsch an, sie möchten aus dem Hause gehen und das befohlene Geld abliefern, sonst werde er ihnen 500 Eeiter schicken und auch sonst Zwangsmaßregeln anwenden. Der Altstädter Stadthauptmann gab ihm mit Hilfe der Juden, die stets bei ihm waren, wie gewöhnlich bei den Beitragsleistungen der Juden eine Liste, wer das Darlehen geben solle, die sehr ungerecht war und so war in unserer Gemeinde große Not, es blieb nichts anderes übrig als das Geld ratenweise bezahlen. Nach 3 Tagen befahl Tatin, weil das Geld nicht zur Zeit abgeliefert worden war, sollten sie von diesem Tage an 10% täglich Zinsen zahlen, er nahm einige Tausend vom Kapital als Zinsen, die Gemeindemitglieder kamen von einer Not in die andere ohne Hilfe und Rettung und sie hatten niemand, auf den sie sich stützen konnten, nur auf unseren Vater im Himmkl, daß er von uns nehme die schweren und bösen Verhängnisse in Gnade und Erbarmen, und uns bringe nach Zion in Freude. Amen. Am Donnerstag, den 11. Cheschwan (9. November) kam ein Trompeter des österreichischen Feldherrn Fürst Lobkowitz zum französischen Feldherrn duc de Belle Isle und verlangte von ihm, daß er einem Juden, R. Isak Austerlitz, die Erlaubnis gebe, von Prag wegzuziehen, wohin er wolle, mit seiner Frau, seinem Sohne, seinem Diener und seiner Verwandten Lewia, der Frau des R. Selig Rosenberg und ihren Kindern und schickte ein ehrenvolles Schreiben mit Privilegien, das Paß genannt wird, an sie, daß das österreichische Heer sie geleiten solle, ebenso sollten die Landbewohner ihnen helfen und sie auf allen Wegen unterstützen, damit R. Isak Austerlitz mit seiner Frau und Kindern und all den oben angeführten mit Gottes Hilfe ohne bösen Zwischenfall in Frieden an sein Reiseziel käme. Sobald der französische Heerführer dieses ehrenvolle Dokument sah, gab er ihm auch ein solches, daß sie von hier wegziehen und auch ohne