Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 331)
- Language
- German
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316 hatten, das auf die Tische dieser Herren hätte kommen können; darauf sprach man sie von dieser Lieferung los. Am Freitag, dem Rüsttage des Sukothfestes (13. Oktober) wurde ein Wechsler namens Schalom Brager gefangen genommen, weil man ihn beschuldigte, gegen die Vorschrift mit Münzen verfahren zu haben. Er sei — als gegen die Regierung widersetzlich — des Todes schuldig. Da war große Wehklage in der Judenstadt; die Metzer Juden gingen sich verwenden, R. Schalom war in arger Bedrängnis im Gefängnisse. Auf gewichtige Intervention wurde er mit 1000 f 1. bestraft und freigesprochen, nach einigen Wochen kam er in Frieden nachhause. Am selben Rüsttage des Sukothfestes erwies der Heilige, gepriesen sei Er, unserer Gemeinde Wunder, es kamen nämlich gegen Abend und am Sabbat, dem ersten Tage des Festes (14. Oktober), Boten und brachten von Bunzlau (Jungbunzlau) und von Teplitz an einzelne Gemeindemitglieder Esrogim, denn trotz aller Versuche war es wegen der Truppen nicht möglich mehr zu bringen; es war sehr schwer gewesen, diese wenige Stücke gut hinzubringen, man gab sie den Vorbetern während des Hallel und nachher den einzelnen in den Synagogen, die sie besuchten, den Segenspruch darüber zu sprechen. Wir dankten und priesen den Heiligen, gelobt sei Er, für alle Wunder die er uns erwiesen, an jedem Tage, zu jeder Zeit, zu jeder Stunde, die unmöglich zu berichten und zu erzählen sind, daß er die Hungersnot gebrochen, daß wir unsere Gebete an den furchtbaren Tagen und die Selichoth, hatten ohne Furcht verrichten können, wie in gewöhnlichen Jahren, und daß Gott, gepriesen sei Er, uns ausgezeichnet hat, das Gebot des Lulaw und der Suka richtig zu erfüllen. Der barmherzige Gott erbarme sich unser und schicke uns unseren Gesalbten bald in unseren Tagen, Amen, so sei es sein Wille. Am Donnerstag, dem Küsttag des Neumondes Schebath (25. Oktober) befahl Sechelles) den Bewohnern der Stadt Prag ein Darlehen von 200.000 fl. zu geben, davon sollten die Juden allein 90.000 fl. geben,27) das Geld sollte Ihnen später von dem Adel des Landes gezahlt werden. Das Geld sollte der Oberste der französischen Reiterei nehmen, um dafür Pferde zu kaufen; er hieß Monsieur Tatin. Dieser befahl, daß man das Geld binnen 3 Tagen abliefere, sonst werde er allen erdenklichen Zwang ausüben; darauf war großes Wehklagen in unserer Gemeinde, die Gemeindevorsteher schrieben ein französisches Memorial an Sechelles, indem sie darauf hin-