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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 330

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 330)
Language
German
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IRI
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315 Am 24. d. M. (23. September) befahl Broglie, daß die drei Prager Städte ihm 150.000 fl. geben müßten, der Anteil der Juden sollte 24.000 fl. betragen ohne welchen Nachlaß bei sonstiger Exekution. Die Gemeindevorsteher ließen die Abgabe von 2 Kapitalen und Kopfgeld wie früher ausrufen. Am selben Tage befahl er auch, daß die Gemeindevorsteher täglich 300 Juden stellen mußten, die zum Weißen Berg eine weite Strecke außerhalb der Stadt gehen mußten, in die Nähe des „Stern" genannten Baues; dort nahmen sie aus der Tiefe des großen Kellers unzählige Kugeln und Bomben heraus und brachten sie in das Magazinhaus, es gab große Mühe und Auslagen einen ganzen Monat lang. So lange ging diese Zahl von Juden täglich unter großen Leiden zu dieser Arbeit. Am Donnerstag, dem Rüsttage des Neujahrfestes, (28. September) befahl Monsieur Chevert von den Franzosen, daß die Einwohner der Stadt nicht aus den Toren hinausgehen dürften, um Korn, Weizen u. dgl. zu kaufen, dadurch stiegen nämlich die Preise, sondern die Wagen mit den Lebensmitteln sollten auf den Markt der Neustadt und Kleinseite kommen und dort sollten sie bei sonstiger hoher Strafe zu billigen Preisen verkauft werden. Vom Neujahrstage an kamen tausende Wagen Getreide nach Prag, der Preis für ein Strich Korn war 5 fl., für ein Strich Mehl 6 fl., Weizen 6—7 fl., Erbsen 6 fl., Gerste bis 5 fl., Hafer bis 2 fl., ein Pfund Butter 14—15 kr., ein Pfund Fleisch 7—9 kr., ein Maß Salz 3 kr., eine Gans um 1 fl., eine Henne 20 kr., ein Ei 1 kr., aber diese Preise blieben nur einige Wochen und nachher wurde alles nach und nach täglich teurer, weil das österreichische Heer sich in der Umgebung der Stadt zeigte und alle Speise und Trank, die sie in die Stadt führen trafen, wegnahmen und im Auftrage ihrer Obersten bei Todesstrafe verboten, Getreide in die Stadt zu bringen; da brachte man weiter nichts in die Stadt. Am Abend des Versöhnungstages (9. Oktober) während des Kolnidregebetes, schickte der Bürgermeister Sasek im Auftrage der französischen Herren zu den Gemeindevorstehern, daß man am nächsten Tage das feine Linnen, das man beim Essen auf den Tisch lege, das Tischzeug, abliefern müsse; wenn dies nicht geschehe, würden einige Hundert Soldaten als Exekution geschickt werden. In der Früh ging man unter Tränen und Jammern intervenieren, es sei unmöglich, solches Leinen zu liefern, da alle Händler diese Ware schon verkauft hätten und die einzelnen kein so feines Leinen

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